Über eine weitere Missionsstation, das Hinterland zum Lower Zambesi Nationalpark

 

Dienstag, 17.10.2017 - Samstag 21.10.2017       Strecke: 764 km

GESAMT: 81 Tage –  9.470 km

 

 

Früh morgens besuchen noch einmal ca. 10 Elefanten das Wildlife Camp – schöner kann ein Abschied nicht sein!

Wir stoppen kurz in Mfuwe, zum Tanken und Einkaufen, und später im Betrieb „Tribal Textiles“. Eine Engländerin leitet hier eine Werkstatt mit Verkaufsraum, wo in traditioneller Weise Baumwolle bedruckt und zu Tischwäsche und Polsterüberzügen verarbeitet wird. Die Technik ähnelt „unserem“ Batiken, aber es wird nicht mit Wachs, sondern mit Mehl und Erhitzen gearbeitet. Schöne, bunte Stoffe werden gefertigt, allerdings ziemlich teuer, unserer Meinung nach.

 

Eine kleine Piste bringt uns nach Msoro, einer Anglikanischen Missionsstation mit Krankenhaus und Schule. Hier wird unter ärmlichsten Bedingungen Unglaubliches geleistet. Dem Krankenhaus fehlt das Geld um die dringend notwendige Küche zu betreiben, aber es gibt trotzdem 30 Betten und eine Geburtenstation, aber kaum medizinische Geräte und wenn, dann uralte. Der Arzt ist zugleich Dean der Gemeinde, die große St. Luke Cathedral hat nur mehr wenige Fensterscheiben, in der Sakristei wird für Arme gekocht. Trotzdem spüren wir eine etwas „gebremst - optimistische“ Atmosphäre: „You should be here on a Sunday, this is when we all dance in the cathedral“ - mit dieser Botschaft und sehr nachdenklich fahren wir weiter. Was für ein Unterschied zum Missionskrankenhaus Chitokoloki!

 

Die Piste führt durch intensiv bewirtschaftete Ebenen, durchzogen von kleineren Flussläufen und freundlichen Dörfern. Als Martin Frauen, die Mais rebeln fragt, ob er sie fotografieren darf, rufen sie nicht „5 Kwacha“, sondern beginnen für ihn zu singen. Er übergibt ihnen ein gedrucktes Foto und es wird sofort vor Freude getanzt und gesungen -wir mitten drinnen. Wir fragen, ob wir unter einem hohen Baum in der Nähe des Fussballplatzes stehen bleiben dürfen, und man führt uns zum „Councellor“ (so etwas wie einen Bezirksvorsteher). Wir bekommen die Erlaubnis und erleben den Dorfalltag hautnah, umringt von lachenden und singenden Kindern, Ochsen, Hühnern, Ziegen, usw. Abends schaut der Councellor mit seinem Bruder noch einmal nach uns. Bei einem Glas Wein entwickeln sich hochinteressante Gespräche über Politik und Wirtschaft in Zambia, aber auch in der Welt. Wir sind beeindruckt vom politischen und geschichtlichen Wissen dieses Mannes.

 

 

Die Piste führt uns weiter wieder zur Great East Road, die wir bis zur Abzweigung in den Lower Zambezi Park nach Westen fahren. Wieder stehen viele LKWs defekt am Straßenrand. Eine 21km lange Piste bringt uns zum Mukamba Gate, wo wir übernachten können. Stolze 75US$ kostet uns die Tageskarte für den Park. Es erwartet uns eine unglaublich anstrengende Piste, die über viele Bergrücken hinauf- und hinunter führt. Steile Anstiege, ausgewaschene Passagen, tiefe Löcher, zum Teil nur mehr ganz knapp 2 Fahrspuren befahrbar, so bewegen wir uns im Schneckentempo die nächsten 4 Stunden durch Tste-Tste-Fliegen verseuchten Wald. Fallweise müssen wir aussteigen und vorgehen um zu sehen, ob wir überhaupt durchkommen. So anstrengend haben wir uns das nicht vorgestellt. Auf der gesamten Strecke begegnet uns kein Mensch. Wir sind sehr froh, als wir in der Ferne endlich den Zambesi sehen und nach weiteren Auf-und Abfahrten sind wir in der breiten Flussebene. Plötzlich gibt es überall Elefantendung und sichtbare Zeichen ihrer Verwüstung an den Bäumen. Nach ein paar Kilometer öffnet sich eine wunderbare grüne Flusslandschaft, mit Lagungen, Anabäumen, Akazien und Baobabs, und vielen Tieren: Elefanten, Büffel, Zebras, alle Arten von Springböcken, Warzenschweine, viele Wasservögel tummeln sich am und im Wasser. In den Lagunen suhlen sich Flusspferde. Was für eine paradiesische Szenerie, die wir sehr genießen nach dem langen Gehopple und Gekurve. Leider ist auch die Zufahrt vom Haupttor im Westen, wo am Zambesi einige Luxuslodges liegen, nicht einfach. Furten, enge Pisten, viele Schlaglöcher und nur langsames Vorwärtskommen. Jetzt wundert es uns nicht mehr, dass wir auch am Zambesi niemanden begegnet sind. Die Luxuslodges haben zum Teil eigene Airstrips – wir vermuten einmal, dass Gäste, die bis zu 1000,00USD / Nacht / Person zahlen, nicht über Rüttelpisten geführt werden, sondern zu den Gamedrives mit dem Flugzeug gebracht werden.

 

Auf der Gwabi River Lodge, die am Kafue kurz vor dessen Mündung in den Zambesi liegt, finden wir unter schattenspendenden Bäumen einen herrlichen Platz für die nächsten Tage. Welch Überraschung – am Campsite treffen wir Claudia und Peter aus Luzern mit ihrem Bremach. Wir verbringen angenehme Tage miteinander, unternehmen einen Rivercruise zum Sonnenuntergang am Zusammenfluss des Kafue und Zambezi und tauschen Reiseerfahrungen aus.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Hans Schachl (Sonntag, 22 Oktober 2017 09:57)

    Einfach faszinierend!
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Glück und spannende Erfahrungen!

    Hans

  • #2

    Ute (Sonntag, 22 Oktober 2017 16:37)

    Beim Betrachten eurer faszinierenden Bilder und Lesen eures spannenden Reisberichtes bleibt mir oftmals die Luft weg - ich bewundere euren Mut und freue mich mit euch, dass eure Erwartungen an diese Reise offenbar erfüllt werden!
    Alles Liebe und Gute weiterhin auf eurer Reise - bleibts vor allem gesund!!!
    Ute

  • #3

    Christine (Sonntag, 22 Oktober 2017 17:16)

    Liebe Lisi&Martin,
    wir sind total beeindruckt von eure Erlebnissen und davon, wie ihr mit euren Bildern das Leben einfangt. Danke für diese Buntheit, die ihr uns gerade an einem eher trüben Oktober-Regentag beschert habt...
    Wir wünschen euch weiterhin ein gutes Unterwegssein...

    Liebe Grüße
    Christine und Christian