Ruhetage im Copperbelt und South Luangwa Nationalpark

 

Sonntag, 7.10. - Montag 16.10.2017    Strecke: km 1.444

GESAMT: 77 Tage – 8.729 km

 

Zuerst über die M8 auf erlösendem Asphalt und dan eine unglaublich schlechte, ausgewaschene Verbindungsstraße gelangen wir nach Kitwe im Copperbelt. Abraumhalden, moderne Häuser und Regierungsbauten neben ärmlichsten Blechhütten, grauer Dunst, chaotische Verkehrssituation, Polizei – Checkpoints. So erleben wir den Copperbelt, immerhin die wichtigste Wirtschaftsregion in Zambia. Zirka 60 km südliche dieses Industriegebietes und nur 15km entfernt von der Demokratischen Republik Kongo, finden wir eine Farm mit angeschlossenem Erholungsgebiet, das Nsobe Game Camp. Es liegt an einem Stausee, mitten in einem Waldgebiet. Hier quartieren wir uns für ein paar Tage ein. Wäsche waschen, Brot backen, Cappuccino durchchecken, mit den Mountainbikes den Game–Drive genießen und Kudus und Springböcke hautnah erleben, das tun wir die nächsten Tage.

 

Es ist nicht mehr zu leugnen – die Regenzeit beginnt langsam. Nachmittags brauen sich Gewitterwolken zusammen, einzelne Regenschauer bringen Abkühlung. Unser nächstes Ziel, der South Luangwa Nationalpark, kann von Norden aus nur über herausfordernde Pisten, die Escarpment Road und die „05“, erreicht werden und die wollten wir erkunden. Doch nach Auskunft lassen die jüngsten Regenfällen -besonders wenn der Wasserstand des Mupamadzi Rivers steigt- das zu einem unsicheren Abenteuer werden, das wir als Einzelfahrzeug nicht riskieren wollen. Also entscheiden wir uns zur sicheren, aber weiteren Anreise von Süden über Lusaka, die Great East Road und die Petauke Road.

 

 

Die Great North Road bringt uns rasch Richtung Lusaka. Sehr viele LKWs, zum Teil in unglaublich schlechtem technischen Zustand begleiten uns. Sichtbares Zeichen dafür sind die liegengebliebenen LKWs am Straßenrand. So heftigen Verkehr sind wir gar nicht mehr gewohnt. Die Straße säumen kleine Verkaufsstände mit Charcoal, Tomaten, Kürbissen, Korbwaren, die Siedlungen entlang der Straße sind echte Fernfahrertreffpunkte. Hier sehen wir auch zum ersten Mal große Bewässerungsanlagen auf Getreidefarmen. Wir passieren einige Police Checkpoints, wo wir immer freundlich durchgewunken werden. Auch an den Mautstellen müssen wir nicht noch einmal bezahlen.

 

Lusaka, eine der am schnellst wachsenden Städte Afrikas, empfängt uns mit einer Baustelle, viel Verkehr und sichtbarer Armut. Der Einfluss chinesischer Investoren wir hier spürbar – chinesische Beschriftungen und Geschäfte überall. In einer der großen Shopping Malls erleben wir dann das „andere“ Lusaka: teure Designerwaren, exklusive Produkte und viele schick gekleidete Menschen. Das ist die kaufkräftige Mittelschicht, wie sie uns von einem Unternehmer aus dem Copper Belt beschrieben wurde. Uns scheint die Kluft zwischen Arm und Reich sehr, sehr groß zu sein.

 

 

Auf der Great East Road gelangen wir zügig bis nach Petauke. Hier ändert sich das Landschaftsbild, Hügelketten, Flusstäler und wieder kleine Siedlungen mit Märkten säumen die Straße. Die Grenze nach Mozambique ist zum Greifen nah. In Petauke, einer betriebsamen Kleinstadt, biegen wir nach NO auf eine Piste Richtung South Luangwa Nationalpark. Anfangs ist der Pistenzustand gut, der 2. Abschnitt bis zur Grenze zum NP ist eher ein 4x4 Trail. Was uns allerdings besonders betroffen macht, sind die sichtbaren Schäden der Abholzung und die ausufernde Zersiedelung. Kleine Dörfer, aus denen Kinder auf uns zulaufen und „Give me sweeties“ rufen, rauchende Wälder mit Baumstümpfen, die wie Wunden aufragen, abgebrannte Felder, unglaubliche Armut. Wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie dieses Gebiet in 10 Jahren aussieht. Ab der Grenze zum Nationalpark fahren wir durch eine parkähnliche Landschaft mit Baobabs und Leberwurstbäumen und bekommen ein wenig das Bild, wie es hier einmal ausgesehen haben könnte.

 

 

Das Wildlife Camp, 9 km vor dem Parkeingang, ist unser Stützpunkt für die nächsten Tage. Die Campsites liegen direkt am Flussufer. Außerdem gibt es funktionierende Duschen und ein Pool – bei 40°C wirklich angenehm. Beim Eintreffen begrüßen uns 5 Giraffen unterhalb des Restaurants, am Abend besuchen ca. 20 Elefanten den Tümpel im Camp und wir können diesen gewaltigen Tiere ganz nah beim Schlammbaden, Trinken und Spielen zuschauen. In der Nacht verscheucht ein Wärter ein riesiges Hippo, das sich zum Waschhaus verirrt hat. Das Grunzen der Hippos im Fluss „singt“ uns in den Schlaf. Intensivere Tiererlebnisse gibt es kaum noch.

 

Von hier aus besuchen wir den South Lunagwa Nationalpark. Stolze 90 US$ pro Tag kassiert man hier beim Gate, dafür es gibt keinerlei Infos oder Karten. Gut, dass es Tracks4Africa gibt, auf der digitalen Karte sind alle Pisten drauf. Wir erleben nicht nur einen echten Off–Road–Trip durch unglaublich schöne, abwechslungsreiche Fluss- und Waldlandschaft, sondern sehen Elefanten, Büffel, Böcke aller Art, aber vor allem Unmengen an Hippos und Krokodilen, die sich im Luangwa suhlen. Viele Vögel, bunt, groß, klein, laut und in Scharen, bevölkern das breite Flusstal. Dies ist wirklich einer der schönsten Nationalparks, den wir je besucht haben.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Sylvia (Dienstag, 17 Oktober 2017 08:19)

    Danke vielmels Liesi und Martin für die tollen Berichte und Fotos. Haha, unterrichtet neuerdings Martin afrikanische Affen. Die Tierfitos sind phänomenal und erst die tollen Berichte, Liesi hat ihr Büro mit �. Viel Glück weiter, liebe Grüsse Sylvia

  • #2

    Doris (Dienstag, 17 Oktober 2017 20:17)

    Ihr Lieben...
    Das ist ja wirklich unglaublich wie schön das für euch sein darf! Wir haben grad mal fast 3 Katzen!:)
    Weiterhin eine so erlebnisreiche und intensive Zeit. Alles Liebe LeAnDo

  • #3

    Claudia Hauer (Dienstag, 17 Oktober 2017 21:24)

    Liebe Lisi, lieber Martin!
    Es ist mittlerweile ein liebgewonnes Ritual, einmal wöchentlich eure so kraftvollen, farbintensiven Impressionen zu durchblättern und in die detailreichen Beschreibungen zu versinken. Es fühlt sich fast unwirklich an, und doch, die Bilder sind der Beweis, seid ihr noch irgendwo auf- wenn auch am anderen Ende - dieser verrückten Welt! Danke, dass ihr uns in der Heimat das Geschenk macht, ein kleines bisschen an eurem Abenteuer teilzuhaben. Der Perspektivenwechsel tut gut! Passt weiterhin besonders gut auf euch und euren "safe haven" Cappuccino auf! In Gedanken oft bei euch im fernen Afrika! Alles Liebe, Claudia