Gewitter in der Kalahari und Fata Morgana über den Salzpfannen

Freitag, 10.11.2017 –  Mittwoch, 15.11.2017     Strecke: 986 km

GESAMT: 108 Tage - 12.212 km

 

Gemeinsam mit Peter & Patricia aus der Schweiz machen wir uns auf ins Central Kalahari Game Reserve, dem (angeblich) zweitgrößten Tierreservat der Welt. Zu gerne möchten wir die berühmten Kalahari - Löwen erspähen. Ursprünglich war dieses Gebiet als Schutzzone für die wenigen hier lebenden San eingerichtet worden, allerdings wird der Nordteil immer mehr auch touristisch genutzt und im Süden hat man Diamantenlagerstätten entdeckt. Ein Interessenskonflikt ist damit vorprogrammiert und wer ihn gewinnen wird, ist unschwer zu erraten.

 

2 Nächte verbringen wir auf einem der Camps im Nordteil des Parks unter hohen Akazien. Die Landschaft ist hier sehr trocken, mit stacheligem Bewuchs auf den fossilen Dünen, die die Täler begleiten. Die Pans sind am Rand mit hohem gelben Gras bedeckt, im Zentrum fast vegetationslos. Einzelne Bauminseln erfreuen das Auge, Wasser gibt es nur in ganz wenigen (künstlichen) Wasserlöchern. Auf unseren Gamedrives sehen wir jede Menge Oryx, Impalas und Kudus, auch Strauße und zwei Schakale, Schildkröten und viele große und kleine Vögel (z.B. Secretary Bird, Habichte, Toko), aber keine Löwen.

 

Am Nachmittag bauen sich dunkle Wolken auf, wir sehen Wetterleuchten von Ferne – ein tolles Bild. Gerade, als wir abends ins Camp zurückkehren, bricht ein Gewitter mit heftigen Regenschauern los. Wir ziehen uns alle in Cappuccino zurück und genießen wieder einmal unser „house on wheels“. Am nächsten Tag hat der Regen die ausgetrockneten Flächen verwandelt und die Pans sind nun mit zartem Grün überzogen. Hier finden die vielen Böcke gutes Futter. Wir sind erleichert, dass die Pisten immer noch trocken sind und wir kein Steckenbleiben im Mud fürchten müssen. Nach 2 Tagen verabschieden wir uns von unseren Schweizer Reisegefährten, denn wir wollen in die Makgadikgadi Pans nördlich des Kalahari Game Reserves.

 

Auf unserem Weg dorthin spricht uns John an. Er ist Brite, lebt seit vielen Jahren in Rakops und freut sich immer, wenn er Reisende trifft. Er lädt uns ein, in seinem Garten direkt am Fluss Boteti ein wenig zu bleiben. Natürlich nehmen wir gerne an, ist dies doch eine wunderbare Gelegenheit mehr über Land und Leute zu erfahren. John entpuppt sich als Tausendsassa. Er ist missionarisch tätig (Baptisten)und hat eine Pre-School für Aidswaisenkinder aufgebaut, die seine Frau leitet. Bis vor Kurzem betrieb er auch eine Bäckerei, die unter anderem die Schule belieferte, und eine Lederwarenverarbeitung, die Einheimischen Arbeitsplätze sicherte. Er erzählt uns von unglaublichen Schwierigkeiten, die in den letzten 10 Jahren Behörden Kleinunternehmern machen und die dazu führen, dass auch er seine Betriebe schließen musste. So bekam er für die Bäckerei Auflagen, wie für eine Großbackstube in der Stadt nach europäischen Qualitätsstandards, die er weder erfüllen noch bezahlen konnte. Also verschwanden 6 Arbeitsplätze im Dorf und Brot für seine Schule. In seiner Pre-School kämpft er gerade darum keine Spültoiletten einbauen zu müssen (derzeit wird mit Wasserkübeln sparsam gespült). Es gibt zwar keine verlässliche Wasserversorgung und auch keine Wasserleitung zur Schule, aber „Vorschrift ist Vorschrift“. Wir treffen seine Mitarbeiterinnen und erfahren, dass sie bis zu 8 Kindern von unterschiedlichen Männern haben, weil sie so hoffen wenigstens von einem der Väter ein wenig finanzielle Unterstützung zu bekommen. Dabei schwebt das Thema Aids wie ein Damoklesschwert über den Menschen (mehr als 50% sind HIV infiziert!). Lange reden wir über Politik, Macht, Korruption und Demokratieverständnis in einem Land, das immer noch sehr einflussreiche Chiefs kennt und trotzdem den westlichen Standards entsprechen will. John’s Hoffnung ruht auf der Generation unter 30, die seiner Einschätzung nach verstanden haben, dass es nicht nur um den eigenen Vorteil, sondern um das Gemeinwohl geht. Wir wünschen ihm, dass seine Hoffnung aufgeht und bewundern sein Durchhaltevermögen. Die Kinder in der Pre-School erfreuen uns jedenfalls mit englischen Liedern und viel Lachen. Das öffnet das Herz!

 

Schlussendlich machen wir uns auf zu Lebkhubu Island, einem Felsriegel mitten in den Salzpfannen der Makgadikgadi Pans, die zu den größten Salz–Ton–Pfannen der Welt zählen. Über die Diamantenstadt Orapa (Botswana gilt als größter Diamantenproduzent der Welt) biegen wir auf eine Piste nach Norden. Zuerst begleitet uns Gestrüpp, aber dann öffnet sich immer wieder der Blick auf die brettelebenen Flächen der Salzebene, Reste eines ehemaligen riesigen Sees. Wir flitzen über weiß – graue Ebenen, in der Nachmittagshitze glauben wir Wasserflächen zu erkennen – aber das ist nur eine Fata Morgana. Lebkhubu Island liegt am Rande der Sowa Pan und ist von Weitem sichtbar. Wie eine Insel ragen die Reste des Grundgebirges nur ca. 50 Meter auf, bewachsen von knorrigen alten Baobabs und Afrikanischen Kastanienbäumen. Auf dem Community Campground darf man übernachten, gegen teures Geld für keine Infrastruktur, versteht sich 😊. Die Lichtstimmungen über der Salzebene sind unvergleichlich und abends überrascht uns ein Wetterleuchten weit in der Ferne. Im Camp besucht uns sogar eine Elefantengruppe, die sich die Kastanien schmecken lässt Wir rätseln, wie sie wohl hier an Wasser kommen, denn es gibt keine Quellen.

 

Auf unserem Rückweg in die Zivilisation wählen wir die sogenannte „Muddy Island Route“, die über die Ausläufer der Ntwetwe Pan führt. Mitten auf der Pan verbringen wir in dieser unwirtlichen, und doch so faszinierenden Landschaft einen Tag. Gespannt beobachten wir die sich ständig verändernden Lichtverhältnisse, Wolkengebirge und Farbenspiele. In der Ferne sehen wir Regen niedergehen, wieder erhellen Wetterleuchten die stockdunkle Nacht. Die Fahrt zurück geht noch einmal über Pisten quer über die Salzflächen. Auf den etwas erhöht liegenden Grasflächen weiden Rinder und Ziegen gemeinsam mit Zebras – ungewöhnlich! Die „muddy islands“ sind wirklich etwas schlammig von den Regenfällen der Nacht, aber Cappuccino flitzt ohne Probleme drüber.

Wieder in Maun gönnen wir ihm dann eine Wäsche mit Hochdruckreiniger und uns eine ausgiebige Dusche.

 



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Kommentare: 1
  • #1

    Elisabeth Oberreiter (Freitag, 08 Dezember 2017 08:43)

    Hallo liebe Elisabeth, die ganze Familie Oberreiter sitzt vor deinen super tollen Fotos und Berichten! Wie überwältigend für uns! Wir sind dankbar, das alles auch über eure Einträge ein Stück weit mitgenießen zu können. DENNOCH freue ich mich auch darauf, wenn ich dich wieder umarmen kann! Deine Namenstag-Wünsche haben mich sehr, sehr gefreut und erwärmt! Wir wünschen Euch von ganzem Herzen noch eine wunderbare Afrika-Zeit. Die Oberreiters