An den Atlantik und in die Ceder Mountains

Mittwoch, 10.1.2018 – Mittwoch, 17.1.2018:   1.1019 km

GESAMT:   171 Tage  -  18.875 km

 

Nach so viel Sand, Wind und Hitze möchten wir kühle Meeresluft schnuppern. Über eine eindrucksvolle Passstraße (einer der Pässe heißt „Spektakel“ 😊) gelangen wir zum Namaqua Nationalpark. Im Frühling überzieht hier ein Blütenteppich die Landschaft, jetzt ist es eher eine braun -graue Sukkulentenfläche. Kein Auto begegnet uns auf unserer Fahrt nach Hondeklip Baai, einem kleinen Fischernest am Atlantik, das von den Diamantenschürfgebieten nördlich und südlich ziemlich eingezwickt wird. Entlang der Küste liegen hier etliche Schiffwracks, leider nur eines außerhalb des Sperrgebiets, die Aristea. Sie ist ein schottisches Fischerboot, das im 2. Weltkrieg als Mienensuchschiff eingesetzt wurde, sie ist hier 1947 gestrandet. Wie das Gerippe eines Seeungeheuers liegen die Eisenteile zwischen den Felsen.

 

Unseren Plan, die Küste entlang nach Süden zu gondeln, müssen wir leider aufgeben. Einerseits sind die Pisten reine Waschrumpelpisten und wir haben Angst, Cappuccino und wir überleben das nicht. Andererseits sind lange Abschnitte eingezäunt, weil hier „Private Nature Reserves“ entstehen. Wir erfahren, dass dies Alterssitze von Südafrikanern sind, die sich hierher aus „Sicherheitsgründen“ zurückgezogen haben. Dass damit weite Küstenabschnitte für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich sind, scheint niemanden zu stören.

 

Über Garies und das Weinbaugebiet von Vanrhynsdorp und Vredental im Olifantsrivier gelangen wir noch einmal an die Küste, nach Lamberts Bay. Dicker Nebel hüllt uns ein – und nicht einmal 10km landeinwärts lacht die Sonne. Aber wir wollten ja in die Kühle und ans Meer 😊. Martins Geburtstagsessen findet also „in – doors“ statt. Die Fischer von Doringbaai, einem kleinen Dorf weiter südlich, bitten uns mit Cappuccino ihre Boote an Land zu ziehen. Alle rufen und gestikulieren, schließlich liegen die Boote sicher im Hafen - und wir haben zwei frischgefangene Lobster. Draußen am Atlantik schaukeln 3 große Schiffe, Diamantensuchschiffe, erklärt man uns. Bis Elandsbaai rumpeln wir noch einmal langsam über die Piste entlang der Küste, aber lustig ist das nicht. An einem wunderbaren Standplatz am Sandstrand südlich von Elandsbaai grillen wir die Lobster, der donnernede Atlantik macht uns die Hintergrundmusik. In der Backbacker Lodge am Dorfplatz scheint die Zeit in den 70ern stehen geblieben zu sein. Man erklärt uns stolz, dass dies die zweitbeste Surfbucht Südafrikas ist, allerdings kommen die meisten Wellenreiter im Mai – August, also im hiesigen Winter.

 

Schließlich verabschieden wir uns wieder vom Meer Richtung landeinwärts, wir möchten in die Ceder Moutains. Wir beginnen unsere „Bergtour“ mit einem kulturellen Highlight: Bei Travellers‘ Rest, einem Farm Stall am Nordrand der Ceder Mountains, beginnt ein eindrucksvoller Rundweg zu einer Open Air Galerie mit San Malereien, der Sevilla Rock Art Trail. Unter Felsüberhängen und in versteckten Höhlen finden wir zarte, fast grazile Zeichnungen von Jägern, Tänzern, Familien auf Wanderschaft und verschiedenen Tieren, die bis zu 5000 Jahre alt sind. Im Restaurant erzählt man uns, dass es noch unzählige Fundplätze solcher Zeichnungen gibt, die aber nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Wir werden herzlich eingeladen zu bleiben und können an spannenden Diskussionen über die aktuelle politische Entwicklung in Süd Afrika teilhaben – was für ein Geschenk!

 

Der Campingplatz von Sanddrif ist unser Standort für weitere Entdeckungen. Wir stellen Cappuccino unter hohen Bäumen in den Schatten und genießen das glasklare Wasser in den Rock Pools des Sandrivier. Besonders gut tun uns diese Pools nach einer morgendlichen Mountain Bike Tour entlang des Steilhanges, der den Sandrivier begleitet. Von Steinen, Sand, Felsen, bis zu Wasserdurchquerungen, steilen Auf- und Abfahren und Tragepassagen hält dieser Trail alles für uns bereit. Zur Belohnung gönnen wir uns eine Weinverkostung in der Kellerei „Cederberg Cellar“, wo es uns der leichte Rosé besonders angetan hat. Die Wanderungen zu den bekannten Felsformationen „Wolfberg Cracks“ sind nach einem großflächigen Brand 2016 gesperrt, aber das können wir gut verschmerzen, da uns bei den Temperaturen eine mehrstündige Wanderung nicht so wirklich reizt.

 

Wir können es kaum glauben, aber langsam müssen wir unsere Rückverschiffung Anfang April konkret angehen. Dazu fahren wir in die Kapregion, wo sich nahe Kraaifontein der Stützpunkt von „African Overlanders“ befindet. Duncan hat viel Erfahrung mit Containerverschiffung und so fixieren wir mit ihm Cappuccinos Heimreise für den 1. April 2018. Gleichzeitig buchen wir unsere Rückflüge und läuten damit das letzte knappe Drittel unserer Reise ein.

 


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Kommentare: 3
  • #1

    Peter und Patricia (Freitag, 19 Januar 2018 10:37)

    Liebe Lisi, lieber Martin, eure Reiseerzählungen lesen wir immer wieder gerne. Sie sind informativ und einladend darin einzutauchen. Wir wünschen euch noch viele interessante Begegnungen. Vielleicht holen wir euch ja noch ein�.

  • #2

    Karin (Dienstag, 23 Januar 2018 08:01)

    Endlich wieder mal Zeit gehabt, nachzulesen. Einfach absolut faszinierend, was ihr so berichtet. Die Fotos - beeindruckend! Und eine Geisterstadt "in echt" - das hat schon was, oder? Und da geht doch eure Reisezeit tatsächlich schon wieder Richtung Heimat!! Ich freu mich schon, euch wieder "leibhaftig" hier zu haben. Lasst es euch noch richtig gut gehen! Schneereiche Grüße (zu eurer Abkühlung!), Karin

  • #3

    Karin (Dienstag, 23 Januar 2018 08:03)

    Nachtrag: Falls euch mal sehr langweilig ist - haha! - Tobias ist seit Freitag Richtung Tibet unterwegs (mit Zug). Hier sein blog: http://tobip.posthaven.com/

    Bussi, Karin