Die Küste entlang bis Cape Town mit Jazz – und Tschüss!

Dienstag, 13.3.2018 – Freitag, 30.3.2018  - km 896

Gesamt: 242 Tage  -  km 26.361km

 

In Jongesfontein gibt man uns den Tipp die Gin-Destillerie „Inverroche“ zu besuchen. Sie sei die einzige, die die Schätze des Fynbos nützt und damit 3 verschiedene Sorten von Gin produziert. Nach einer Führung durch den Familienbetrieb und Verkostung, landen natürlich ein paar Flaschen im Cappuccino.

 

Noch einmal zieht es uns an den südlichsten Punkt Afrikas, nach Cap L’Agulhas. Vor ca. 8 Wochen haben wir hier mit Kerstin und Schorsch eine stürmische Nacht verbracht, jetzt werden wir mit tiefblauem Himmel und toller Brandung beschenkt.

 

Ein kurzer Abstecher führt uns nach Elim, einem verschlafenen Nest im Hinterland. Hier leben ausschließlich Coloureds, die Mitglieder der „Herrnhuter Brüdergemeinde“ (Morovian Mission) sind. In der Kirche aus 1835 lauschen einige einer Predigt, dabei wird immer wieder herzlich laut gelacht. Im Ort befindet sich das einzige Denkmal, das an die Sklavenbefreiung 1834 erinnert. Es ist ganz unscheinbar, als ob dies kein denkwürdiges Ereignis in der Geschichte dieses Landes wäre.

 

Von dort aus gondeln wir wieder an die Küste. Fast in jeder Bucht, die nicht ein „Nature Reserve“ ist, stehen dicht an dicht Ferienhäuser. Ab und zu gelingt es uns, an den wunderbaren Strand zu kommen und so den Atlantik in voller Wucht zu erleben. So suchen wir uns zwischen den Felsen vor Danger Point hinter Kleinbaai oder am Strand von Kleinmond geschützte Übernachtungsplätze. Wir spazieren den Strand entlang, atmen die salzige Meeresluft und sammeln Muscheln. Immer wieder sprechen uns Südafrikaner an, wollen wissen ob es uns gut geht, ob wir etwas brauchen und freuen sich, wenn wir versichern, dass wir das Land sehr spannend finden.

 

Hermanus, die Walbeobachtungsstadt, behauptet von sich die größte Galeriedichte von Südafrika zu besitzen. Und wirklich, auf unserem Rundgang fallen wir praktisch von einer Galerie in die nächste. Wir erstehen zwei Masken, die unser Zuhause mit etwas „Afrika-Feeling“ erfüllen sollen.

 

In Pringle Bay verzaubert uns wieder einmal ein fantastischer Sonnenuntergang über dem Atlantik. Andächtig blicken wir von dort bereits zum Kap der Guten Hoffnung. Die Küstenstraße nach Somerset West schlängelt sich eindrucksvoll am steilen Abhang entlang und gibt tolle Blicke auf Meer und Buchten frei.

 

Natürlich darf hier, in der Nähe von Stellenbosch, ein Besuch auf einer Weinfarm nicht fehlen. Wir entscheiden uns für Spier, das seit 1692 existiert. Hier gibt es nicht nur guten Wein, sondern auch eine Outdoor Galerie mit moderner afrikanischer Kunst und alle 21 Kap-Holländischen Giebelarten, die den Häusern im Laufe der Zeit „aufgesetzt“ wurden. 2 Stunden lang führt uns Eric auf einer Segway-Tour durch die Weingärten, das Farmland und die großzügigen Anlagen. Wir erfahren etwas über Bio-Weinbau, Wasseraufbereitung, welche Trauben wo am besten wachsen und besuchen die „glücklichsten Hühner Südafrikas“, die sich bereitwillig von uns kraulen lassen. Die Weinverkostung am Schluss ist ein wahrer Genuss 😊.

 

Auf unserem Weg zum Cape Point stoppen wir noch einmal bei den Afrikanischen Pinguinen am Boulder Beach. Am Kap selbst herrscht unglaublicher Trubel. Touristen aus aller Herren Länder strömen aus Bussen und PWKs zum Leuchtturm und den Aussichtspunkten. Angesichts der Hektik wird uns wieder bewusst, wie entspannt und selbstbestimmt wir reisen dürfen. Trotzdem – der Ort hat etwas Besonderes.

 

Wir folgen der Westküste nach Norden Richtung Cape Town. Neben der Küstenstraße fällt uns eine unglaublich umfangreicht Ansammlung von Stein- und Holzfiguren auf. Manche sind ca. 3m hoch und sicher einige Tonnen schwer. Es ist Kunst Zimbawe, die hier zum Verkauf angeboten wird.

 

Über Scarborough und Kommetjie erreichen wir Chapmans Peak. Wieder einmal sind wir froh, dass Cappuccino nicht höher und breiter ist, denn so können wir diese eindrucksvolle Maut-Küstenstraße erleben.

 

Nach einem kurzen Abstecher bei Duncan und African Overlanders in Kraaifontein, wo wir den endgültigen Termin für die Containerverladung klären, wollen wir schließlich Cape Town genießen. Vom Table Mountain aus verschaffen wir uns einen Überblick. Hinauf steigen wir über die vielen Felsstufen der Platteklip Gorge, hinunter lassen wir uns den herrlichen 360° Rundblick in der rotierenden Gondel nicht entgehen.

 

Am Parkplatz der Waterfront finden wir für die nächsten Tage „unser“ Zuhause und tauchen ein in diese bunte und interkulturelle Stadt. Es dauert ein wenig, bis wir uns an das Stadtleben und die vielen Menschen gewöhnt haben, aber afrikanische Gelassenheit selbst im größten Trubel macht es uns leicht. Shopping Malls, Galerien, Museen, Straßenmusiker und natürlich das Internationale Jazzfestival erfreuen unsere Herzen. Auf 3 Indoor und 2 Outdoor Bühnen wird Musik gemacht. Wir hören von World Music, Soul und Traditional African, über Rap und Fusion alles, manchmal auch wirklich Jazz 😊. Fasziniert beobachten wir eine fast fremde Welt. Nicht nur die Show der Musiker spielt eine große Rolle, auch viele im Publikum selbst bewegen sich wie auf einer Bühne. Und wieder erfahren wir südafrikanische Gastfreundschaft pur. Nach dem Genuss von 2 Gigs laden uns unsere beiden Sitznachbarn spontan zum Dinner in einem angesagten Restaurant ein - einfach so, weil das Leben schön ist und gefeiert werden muss. Im „Bukhara“ werden wir mit malayisch-indische Köstlichkeiten verwöhnt. Das Gespräch mit dem Anwaltskollegen und seiner Partnerin ist unglaublich anregend und informativ, besonders auch deshalb, weil Derrick zu den „Coloureds“ gehört und so „not black enough“ z.B. für Regierungsämter ist. Wir bauen wieder ein Puzzlesteinchen in unser „Afrika-Bild“ ein.

 

Von unserem Übernachtungsplatz an der Waterfront haben wir immer wieder bunte Paraglider vom Signal Hill segeln gesehen. Das wollen wir auch probieren und so "gliden" wir bei strahlendem Sonnenschein von diesem Startpunkt hinunter zur Beach. Wirklich ein einmaliges Erlebnis!

 

 

Schließlich verbringen wir nach 240 Tagen unsere letzte Nacht im Cappuccino. Wir putzen ihn heraus für den Heimtransport, verschenken unsere restlichen Lebensmittel an Menschen, die sie offensichtlich brauchen, und beziehen ein Airbnb Zimmer. Am Donnerstag, 29.3.2018 um 7:00 müssen wir bei der Spedition im Hafen gestellt sein um Cappuccino in den Container zu verladen. Unser Heimflug geht am Freitag, 30.3. nachmittags. Damit endet unsere „große Reise“ in den Süden Afrikas.

 

Wir sind unglaublich dankbar, dass wir so viel erleben durften – und dies ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die unendlich vielen Bilder, Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse werden uns noch lange beschäftigen und begleiten.

 

Ein herzliches Danke an euch alle, die uns am Blog begleitet haben –

so fühlten wir uns auch immer ein Stück mit euch verbunden.

 




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Kommentare: 3
  • #1

    Freudenthaler Christoph (Donnerstag, 29 März 2018 16:24)

    Liebe Elisabeth, lieber Martin!
    Nun habt ihr die vorerst letzte Nacht auf afrikanischem Boden in eurem Cappuccino geschafft und euren treuen Gefährdten auf die Reise geschickt...
    "Wir sind unglaublich dankbar, dass wir soviel erleben durften..." Welch schönes Resumee am Ende eurer Reise!! Ich freue mich von Herzen mit euch, dass letztlich alles so gut gelungen ist und ihr so unglaublich viel an unterschiedlichsten Eindrücken und Erkenntnissen erleben durftet. Ein ganz klein wenig habe ich über euren Blog ja mitverfolgt.
    Und jetzt wünsche ich euch eine guten Heimflug und ein gutes Landen in unserer wieder ganz anderen Welt... den Kulturschock möget ihr gut überstehen....
    Ich freue mich sehr, euch zu sehen und bin schon ganz, ganz neugierig auf eure Erzählungen!
    Seid umarmt
    Christoph

    N.B. Ganz liebe Grüße auch von Andrea

  • #2

    Hans Schachl (Sonntag, 01 April 2018 18:48)

    Liebe Elisabeth,
    Ihr habt ja eine wirklich bemerkenswerte Reise gemacht. Schön, dass es Euch gut geht und Ihr wieder heil zurückkomt!
    Herzliche Grüße

    Hans

  • #3

    Astrid Maul (Samstag, 14 April 2018 22:16)

    Liebe Elisabeth!
    Eure Berichte und Bilder waren wirklich beeindruckend und bemerkenswert, schön zu hören, dass ihr wieder in heimatlichen Gefilden weilt!
    I'm sure you had lots and lots of serendipidous moments!! :):):)
    All the best,
    Astrid Maul