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Durchs wilde Kurdistan und in die „schwarze Amida“, Diyarbakir

Dienstag, 27.8.2019 – Samstag, 31.8.2019  -   km 237

GESAMT:  19 Tage - 3.057 km

 


Wir möchten noch weiter in die Berge und das Hinterland erkunden. Wie in Adlernestern hocken Polizei, Armee oder Gendarmerie auf den Kuppen, schwer bewaffnet und hinter schussfesten Absperrungen. Auf öffentlichen Plätzen Überwachungskameras – hier hat jemand sichtlich Angst.

 

In Siverek, einer verstaubten Kleinstadt, bekommen wir nach einigem Fragen noch einmal Bier – neben Diesel, Obst, Gemüse und Brot. Wir kurven nach Nordwesten Richtung Cermik, wo wir auf einer Schotterbank nahe der Haburman Brücke aus dem 13. Jahrhundert Platz finden. Lokale Fischer zeigen uns, wie sie mit Netzen den Fluß überspannen und aufs Wasser klatschen, damit die Fische hineinschwimmen. Diese Methode erinnert uns an die Fischer in Lesotho – offensichtlich kommt man auch in voneinander weit entfernten Gegenden auf ähnliche Ideen. Auf unserem Weg nach Cüngüs mehren sich die Polizeikontrollen. Immer wieder fragt man uns was wir hier wollen und wohin wir fahren. Ein junger Offizier, der lieber Französischlehrer wäre, muss uns in Cüngüs sogar zur Ruine der armenischen Kirche begleiten – „To be safe! And please tell the world that Turkey is a good country“, so verabschiedet er sich von uns. Die Kirchenruine ist ein berührendes Zeugnis der armenischen Tragödie, die sich hier zwischen den Weltkriegen abgespielt hat.

 

Über gefühlte 1000 Kurven, die uns durch kleine Dörfer, steile Felder und Polizeikontrollen führen, gelangen wir an den Hazar Gölü, einem Quellsee des Tigris auf 1200m. Ein echtes Highlight bei 40°C.

 

Diyarbakir, die heimliche Hauptstadt der Kurden, empfängt uns mit großer Hitze. Der schwarze Basalt, aus dem die mächtige Stadtmauer besteht und der auf den großen Plätzen verlegt ist, tut das Übrige. Türkische Panzerfahrzeuge stehen an fast jeder Ecke und vor einigen Gebäuden. Wir überfordern den Manager des Hilton Garden Hotels fast, als wir fragen, ob wir im „Garten“ (der ein gepflasterter Innenhof ist) stehen dürfen. Schließlich gefällt ihm die Idee und gegen einen guten Preis für ein Zimmer parken wir sicher und blicken auf den Tigris. Abends herrscht in den Grünanlagen entlang der Mauer buntes Treiben. Wir tauchen ein in diese lebendige Stadt. Immer wieder werden wir freundlichst angesprochen, willkommen geheißen und um Selfies gebeten. Bestürzt blicken wir auf Stadtviertel, aus denen die kurdischen Einwohner vertrieben und ihre Häuser abgerissen wurden. Jetzt wird neu gebaut und zu hohen Preisen verkauft.

Im Innenhof des Hilton wird für den 30.8., dem Siegesfest der Türken und hoher Feiertag, eine Bühne aufgebaut und für 1500 Gäste gedeckt. Sogar der Govenor der Region wird erwartet. Für den 1.9. ist eine kurdische Demonstration angesagt. Da verziehen wir uns lieber – angesichts der angespannten Situation auf beiden Seiten und fahren ein Stück weiter an das Ufer des Tigris. Hier verbringen wir einen entspannten Rasttag im Schatten eines Baumes – reichlich bewirtet von den Einheimischen.

 


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Kommentare: 2
  • #1

    KerScho (Freitag, 30 August 2019 18:13)

    Hallo ihr beiden,

    tipptopp, mir fehlen die Wort. Haltet uns weiter mit so schönen Fotos und Berichten auf dem Laufenden. Ganz liebe Grüße aus dem Norden
    KerScho

  • #2

    Karin (Sonntag, 08 September 2019 19:25)

    Schön, immer wieder von euch zu lesen! Dann seid ihr gar nicht sooo weit weg: ;))

    Alles Liebe