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Pisten, Vulkanlandschaften und stolze Kurden


Dienstag 17.9.2019 (26.6.1398) – Sonntag, 22.9.2019 (31.6.1398) -- 702 km

GESAMT: 41 Tage – 5.682 km

 

Irgendwie müssen wir wieder hinunter von unserem Platz auf 3.320m. Die Piste am Grad entlang wirkt langweilig. Von Ferne erspähen wir einen Schotterweg, der in ein grünes Tal führt. Vater und Tochter auf ihren Eseln kommen gerade schwer beladen herauf und auf unsere Frage, ob es hier ins ins nächste Dorf geht, nicken sie. Also gut, wir wagen es. Auf sehr steilem, zum Teil ausgeschwemmtem Pfad, manchmal geröllig, dann wieder fast wie mit Mehl gepudert, kriechen wir Kehre um Kehre tiefer. Immer wieder kommen uns Leute auf Eseln entgegen, alle winken und lachen – aber spätestens jetzt ist uns klar, dass hier schon lange kein Auto gefahren ist. Wir erreichen die bewässerten Gärten, die sich weit den Hang hinaufziehen. Cappuccino schlängelt sich zwischen Steinmauern, Wasserkanälen und Felsen durch – und dann ein kleiner Fahrfehler: plötzlich ragt ein großer Felsblock so weit in die Piste, dass wir mit dem Tank aufsitzen. Kein vor und zurück mehr. Durchschnaufen, Wagenheber auspacken und viele Steine unters Rad. Dann vorsichtig ein wenig zurück … und es geht wieder -knapp vorbei an diesem Hindernis. Wir haben großes Glück gehabt, dem Tank ist nichts passiert, nur das Schutzblech ist etwas verbeult. Die letzten Kilometer fahren wir wie auf rohen Eiern hinunter und stellen uns auf den Dorfplatz, wo gerade die Marktstandler zusammenpacken. Die Männer können es gar nicht glauben, dass wir „über die Berge“ gekommen sind und nicken bewundernd. Wir genehmigen uns einmal einen kräftigen Espresso.

Das Ostufer des Orumiyeh Sees ist hier schlicht und einfach hässlich: flach, staubig, diesig, viel verrückter Verkehr, halbfertige Betonklötze und Armut. Da hält uns nichts. Schließlich finden wir auf halbem Weg zum zoroastrischen Feuerheiligtum Takht-E-Soleyman doch noch einen wunderbaren Platz am Fluss Zarineh. Hirten mit ihren Herden und 2 Störche passen gut auf uns auf. Ein Bauer bringt uns einen riesen Sack frischer Tomaten, andere Melonen und Paprika – wir werden fast zu gut versorgt! Hier erreicht uns die Meldung über die Angriffe der Huthi-Rebellen in Saudi-Arabien und Trumps neue Kriegsdrohungen. Wir kontaktieren das Außenministerium und man verspricht uns zu informieren, falls Gefahr droht – hoffentlich ist das alles nur lautes Getöse!

Takht-E-Soleyman beeindruckt uns sehr. Seit dem 6. Jahrhundert steht diese riesige zoroastrische Tempelanlage in der eindrucksvollen Vulkanlandschaft auf 2.200m. Um einen Kratersee herum wurden ein Königspalast, ein Feuertempel, Pilgerunterkünfte, Versorgungseinrichtungen, ein Hamam und weitere Gebäude gruppiert. Alles ist von einer 1.120m langen Steinmauer umgeben, die durch zwei imposante Tore („Iwan“) betreten werden konnte. Auch wenn heute nur mehr Reste zu sehen sind, alleine die Vorstellung der Anlage ist unglaublich – die Herrscher wussten schon immer, wie man die Bevölkerung beeindruckt!

Ganz in der Nähe gibt es noch eine geologische Sensation – Zendan-e-Soleyman. Ein 110m hoher Sinterkegel mit einem ca. 100 m tiefen Kraterloch und völlig senkrechten Wänden. Dieser Ort wurde schon im 7. Jahrhundert vor Christus als Kultstätte genutzt –kein Wunder!

Solche Sinterkrater, mit 80 m nicht ganz so tief, halb in der Erde versteckt und mit Wasser gefüllt, finden wir auch im kleinen Dorf Berenjeh. Da mag schon das eine oder andere Schaf verloren gegangen sein 😊.

Die Höhlen von Karaftu liegen an einem uralten Handelsweg zwischen Syrien, Irak, Iran und Afghanistan. Seit dem 4. Jahrhundert vor Christus wurden sie als Kulträume, aber auch Wohnungen genutzt. Wir sind nicht nur vom Höhlensystem auf 4 Etagen beeindruckt, sondern genießen auch die bunte Stimmung an einem Freitag. Viele kurdische Familien sind gekommen, unter jedem Baum und in den Überhängen sind Teppiche ausgebreitet, die mit Köstlichkeiten belegt werden. Viele sind festlich in kurdischer Tracht gekleidet. Natürlich müssen wir nicht nur Tee trinken, sondern auch mitessen und für Fotos lächeln. Abends sind wir in einem kleinen Dorf bei einer Familie eingeladen. Einer der Söhne kann gut Englisch – was für ein Glück, denn so erfahren wir viel über den Alltag der Kurden im Iran.

Das Uramat Tal, ganz an der Grenze zum Irak, soll zu den landschaftlich schönsten Gebieten im Iran zählen. Und wirklich, überragt von schroffen Gebirgszügen schlängelt sich die schmale Straße hoch über dem Flusstal. Die Dörfer kleben wie steinerne Nester an den Hängen, viele Felder und Gärten liegen unglaublich steil über dem Abgrund. Wir sind wirklich beeindruckt.

 




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Kommentare: 1
  • #1

    Michael (Mittwoch, 25 September 2019 13:45)

    Wow, steile Gegend!! und schwierige Piste!
    Der mit dem Hamster am Kopf ist zum Glück derzeit mit Greta Thunberg beschäftigt. Hoffentlich noch lange, damit ihr zwei nicht in troubles kommt.
    Alles Gute weiterhin.
    Michael + Lissi