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Steinerne Zeugen, eine Eisenbahnstrecke und "oh my God"!


Montag, 23.9.2019 (1.7.1398) – Sonntag, 29.9.2019 (7.7.1398) -  907 km

 

GESAMT: 48 Tage –6.589 km

 

 

 

Langsam kurven wir - gemeinsam mit Susi und Christian – aus dem pittoresken Uramat Tal hinaus, folgen einem großen Stausee und versorgen uns in der Kleinstadt Paveh. Unser Ziel sind die Felsreliefs von Bisotun, nördlich von Kermansha, die neben bekannten Kletterwänden in einer eindrucksvollen Felswand liegen. Wie sich herausstellt sind die Klettertouren doch zu schwierig für uns – leider! Unsere Sehnsucht nach einem Stellplatz bei einer Karawanserei wird nicht erfüllt: „We are a 5 Star Hotel, you can’t stay here“ lässt uns das Management pikkiert ausrichten. Naja, dann nicht, wir ziehen das 1 Million Star Hotel im lichten Picknickwald gleich neben dem Unesco – Kulturerbe sowieso vor – obwohl uns die Müllberge vom Wochenende schon irritieren.

 

Die Felsreliefs sind zurecht berühmt, sind sie doch Zeugen aus der Zeit 420 bis 148 vor Christus und später. Leider kann das berühmte Darius Relief nicht besichtigt werden, ein Gerüst aus dem Jahre 2003 verdeckt einfach alles. „We don’t have any money to build a platform“ sagt ein freundlicher Guide. Aber sie haben Fernrohre aufgestellt durch die man das Relief „herzuziehen“ kann.

 

In Tag-e Bostan befinden sich in einer schönen Parkanlage mit Ententeich 2 Grotten mit eindrucksvollen Steinreliefs aus sassanidischer Zeit, 590 – 628 nach Christus. Sie waren einst Teil eines großen Jagdareals.

 

Kermansha hält uns nicht. Sehr viel Verkehr, große Industrieanlagen und ständig Staub in der Luft sind nicht wirklich angenehm. Khorramabad hingegen gefällt uns gut. Eine moderne Stadt mit einer Festungsanlage im Zentrum. Wir campen – wie viele Einheimische auch – am natürlichen See mitten in der Stadt. Hier wird gejoggt, Roller Scater gefahren, geradelt und gechillt. Der diensthabende Polizist versichert uns, dass er gut auf uns aufpasst, der Mann am „Würstelstand“ hilft ihm gerne dabei und natürlich sind wir auf vielen Selfies.

 

Wieder einmal erleben wir unglaubliche Hilfsbereitschaft: Hamad, ein junger Mann bietet in gutem Englisch seine Hilfe an. Ich frage nach einem Waschsalon – und sofort sind wir seine Gäste. Unsere Wäsche wird gewaschen, wir werden herrlich verköstigt und erfahren viel über das Leben einer jungen Familie im Iran. Danke, Hamad & family!

 

Nach der Stadt zieht es uns in die Berge. Wir steuern den kleinen Ort Bisheh mit Wasserfall an. Mittlerweile sind wir in Loristan und am Wasserfall setzen mir ein paar übermütige Frauen das traditionelle lorische Kopftuch auf. „It’s not the Islamic head scarf!!“ betonen sie mehrmals. Bisheh liegt an der Eisenbahnstrecke Dorud – Andimeshk, die angeblich zu den spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt zählt. Auf einer Piste folgen wir der Eisenbahntrasse nach Süden durch den Canyon und entlang der Berghänge. Wirklich eindrucksvoll. Allerdings sind überall die Spuren der Verwüstungen durch die starken Regenfälle im Frühjahr zu sehen. Die Piste ist nur notdürftig freigeschaufelt, viele Dörfer wirken noch sehr mitgenommen und große Armut ist zu spüren.

 

Von Sepid Dasht aus folgen wir der Straße südlich des Oshtoran Gebirges. Man sagt uns, dass der Name „Kamelbuckel“ bedeutet, weil sich die bis zu 4000m hohen Berge wie Kamele in einer Karawane aneinanderreihen. Leider ist der höchste Wasserfall des Iran (796m) trocken, aber wir können wunderbar am Fluss Ab-e Zaz stehen. Gut, dass wir das Bilderwörterbuch mithaben – das ermöglicht auch Kommunikation mit den Bauern hier, die Lorisch oder Farsi sprechen. Mit hoher Konzentration werden die Bilder und Begriffe studiert, manchmal herausgeschrieben und dann versucht in Botschaften zu übersetzen. Wir könnten überall mitessen und sollten am Hof übernachten – echte „Willkommenskultur“!

 

Über den 2.900m hohen Gardan-e Wadoush Pass und intensiv landwirtschaftlich genutztes Land bis auf 2.200m erreichen wir die Industriestadt Aligudarz. Wir müssen wieder einmal tanken und Lebensmittel besorgen. Dort hält es uns nicht lange und wir fahren zurück in die Berge. Wir möchten von Norden ins Kuhrang Tal, zu den Sommerweiden der -Bakhtiari Nomaden. Die Route entpuppt sich als eine der schönsten und abwechslungsreichsten Bergstrecken, die wir je gefahren sind. Mehrmals schrauben wir uns aus grünen Flusstälern hinauf auf fast 3.000m, um dann wieder in den nächsten Canyon hinunter zu kurven. Kleine Dörfer schmiegen sich an die Hänge, zum Teil noch ganz aus Lehm. Nomadenzelte kleben auf schrägen Wiesen oberhalb der Wasserläufe. Viele haben ihr Hab und Gut schon eingepackt und warten auf den Abtransport mit den üblichen blauen Pickups. Kein Wunder, wir bewegen uns um die 2.000m Höhenlinie und da ist bald mit Schnee zu rechnen. Begleitet werden wir von gewaltigen Gebirgszügen, mal fast nur Schutthaufen, dann wieder schroffe Felswände und steile Kanten, Schneefelder blitzen herunter. Was für eine Szenerie! An den Flüssen reihen sich einige Fischzuchten aneinander, wo wir uns natürlich eine Forelle fürs Abendessen besorgen. Die Pisten sind – bis auf wenige Abschnitte – gut zu befahren. „Oh my God“ ruft uns ein Bauarbeiter nach, als er mich (Lisi) am Steuer sieht – jetzt ist wohl sein Frauenbild etwas ins Wanken geraten 😊.

Sehr beeindruckt lassen wir uns am Kurang Fluss in der Nähe eines Nomadenzelts und eines Schafhirten nieder. Beide heißen uns willkommen und bieten ihre Hilfe an, falls wir was brauchen.

 


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