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„Off the beaten tracks“ und über ein „Lost Paradise“ nach Shiraz


Montag, 21.10.2019 (30.7.1398) –  Montag, 28.10.2019 (6.7.1398) -969 km

GESAMT:  77 Tage – 9.646 km

 

Südlich von Yazd liegen bis zu 3000m hohe Gebirgszüge und die Kavir e Abarkuh, eine Salztonebenen. Diese möchten wir auf unserem Weg nach Shiraz durchqueren. Unsere Karten geben nicht viele Infos über Pisten her, also probieren wir es auf gut Glück. Die Erkundungstour führt uns durch kleine Dörfer und über weite, spärlich bewachsene Ebenen, auf denen wir bei Regen sicher tiefe Spuren hinterlassen würden. Dort, wo bewässert wird, wachsen Granatäpfel und Getreide. Wir schlüpfen zwischen Gebirgszügen durch und folgen trockenen Flusstälern, die zu weiteren Ebenen führen. Vereinzelt ziehen Kamele vorbei. Immer wieder passieren wir verlassene Lehmbauten oder Karawansereien, wunderbare Übernachtungsplätze. Einmal möchte die örtliche Polizei – 4 Mann mit Gewehr im Anschlag - wissen, wie wir denn zu diesem Ort gekommen sind. Wir kochen gerade unser Abendessen und alle sind erleichtert und lachen, als sie erkennen, dass wir „only tourists“ sind. Keine Ahnung, was sie glaubten wer wir sind. Einmal landen wir mitten in einem Bergabbaugebiet. Da wir von der „Rückseite“, also aus der Wüste, kommen, hat die Security etwas Stress mit uns, aber alles lässt sich klären. Eindrucksvolle Inselberge, manche gekrönt von markanten Felsburgen, begleiten uns. Als wir eine dieser Felsburgen erklettern und ganz begeistert sind von den Fossilien, die im Fels stecken, sehen wir einen Staubsturm wie eine Walze über die Dasht e Abarkuh direkt auf unseren Standplatz zurollen. In letzter Sekunde erreichen wir Cappuccino und sind richtig froh über unser „house on wheels“.

 

Der Ort „Lost Paradise“ interessiert uns – alleine schon wegen des Namens. Wir finden ihn nordwestlich von Shiraz zwischen Gebirgen und Hochtälern. Es ist gerade Erntezeit und viele fleißige Hände pflücken Tomaten und Äpfel oder breiten Stroh und Getreide fein säuberlich zum Trocknen aus. Die Zelte der Erntearbeiter wirken fast wie Pfadfinderlager. Ausgeklügelte Bewässerungssysteme überziehen das Land. Wo ausreichend Wasser vorhanden ist, wird Reis angebaut – und das auf 1800m. Am Stausee treffen wir auf ein fröhliches Hochzeitspaar, das sich zum Fotoshooting herausgeputzt hat. Die Braut in figurbetontem, goldenem Kleid und mit aufwändiger Frisur, der Bräutigam ganz leger in Jeans und Hemd. Sie möchten einfach feiern – so wie alle Paare auf der Welt.

 

Das „verlorene Paradies“ versteckt sich in einer engen Schlucht des Flusses Kor. Im Talgrund haben sich kleine Badetümpel gebildet, im Talschluss läuft ein Wasserfall über bizarre Sinterbecken. Wie hier üblich gibt es unzählige Picknickplätze und Feuerstellen, leider auch Müll. Auf Mopeds werden Familien samt ihrer Picknick–Utensilien bis zum Wasserfall befördert, wo sie dann Hühnchen grillen und Tee kochen, Wasserpfeifen dürfen natürlich nicht fehlen. Ende Oktober scheint es allerdings für ausgiebiges Feiern im Freien schon etwas zu kühl zu sein und so genießen wir diesen Ort fast alleine.

 

Nach so viel Natur stürzen wir uns wieder aufs kulturelle Erbe. Die Felsengräber von Naqsh-e Rostam beeindrucken uns sehr. Als steinerne Zeugen dokumentieren die Reliefs Abschnitte der Geschichte zwischen dem 5. Jahrhundert vor und dem 4. Jahrhundert nach Christus. Persepolis, nur ein paar Kilometer weiter, möchten wir unbedingt sehen. Es empfängt uns mit geschlossenen Toren und niemand kann uns sagen, ob es 1 Tag oder 3 Tage zu ist. „Some Imam died a 1000 years ago and we close all sights– aren’t we crazy?“ – das ist der Kommentar einer jungen Teheranerin, die wir in Shiraz treffen, wo auch vieles zu ist. So können wir das berühmte Mausoleum des Poeten Hafiz nur von außen bewundern. Dafür spielt sich das wirkliche Leben im öffentlichen Park ab. Unter altem Baumbestand und um große Wasserbecken und Blumenbeete wird Fußball, Federball, Faustball, etc. gespielt (natürlich Männer und Frauen gemeinsam), Radgefahren, Händchen gehalten und gepicknickt. Wie im Prater gibt es Riesenrad, Ringelspiel, Autodrom und für die Kleinen Schaukeln und Plastikboote in Wasserbecken. Natürlich kann man hier auch campen und so werden wir herzlich aufgenommen in diese „Freizeitgesellschaft“.

 

Wir haben Glück – zwischen 2 Märtyrer–Gedenktagen gibt es eine Verschnaufpause. Der Vakil Bazar hat geöffnet und wir genießen die Stimmung sehr. Gedränge in den engen Gassen, es wird eingekauft, sondiert und goustiert. Nur im Teppichbazar herrscht etwas Ruhe.

 

Im Heiligtum für Shah Cheragh sind wir von der Atmosphäre sehr angetan. In den großen Innenhöfen und im glitzernden Inneren herrscht Gelassenheit, Ruhe und Religiosität. Beim Schrein wird gebetet, geschlafen, meditiert, mit dem Handy gespielt und intensiv gesprochen. Wir werden als Christen freudig begrüßt und eingeladen ebenfalls Inne zu halten. Eine schöne Geste.

 





unser track auf Karten wähl- und zoombar:

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tracks 2019-10-21 bis 10-28.html
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Kommentare: 2
  • #1

    Maria & Wolfgang (Dienstag, 29 Oktober 2019 05:43)

    Eure Berichte wecken Sehnsüchte und Hoffnungen. Sehnsucht nach dem großartigen Land mit seinen (gast)freundlichen Menschen und die Hoffnung, noch einmal in den Iran reisen zu können.
    Seid herzlich gegrüßt aus dem verregneten Hallein, die AltenWeiber sind verschwunden und haben den Sommer mitgenommen. Jetzt wabbert der Krautnebel über das Land ;-(
    Wir freuen uns jedesmal über "News on Blog" und wünschen Euch weiterhin eine gute Zeit!
    Glg Maria & Wolfgang & Flora

  • #2

    Tom Koch (Mittwoch, 30 Oktober 2019 20:36)

    Ich kann da nicht zulange mitlesen, sonst fahre ich morgen statt zur Arbeit mit dem Toyota los gegen Osten. Echt brutal.
    Gibt es mal noch eine GPS Reiseroute Abbildung?

    Liebe Grüsse und weiterhin viel Lebensqualität