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Auf nach Arabien – die Überfahrt


Samstag 30.11.2019 und Sonntag, 1.12.2019

 

Manicheh, die vor Lebenslust sprühende Reiseführerin aus Bandar Abbas, bei der wir jetzt 2 Tage zu Gast waren, bietet uns ihre Hilfe bei der Beschaffung der tickets an. Am Vortag besorgen wir in einem Reisebüro ihrer Freundin die Personentickts (regulärer Preis: IRR 5,200.000), am Abfahrtstag begleitet sie uns um 09:00 in den Hafen. Dort scheint sie viele Leute zu kennen. Die Überfahrt für unsere Fahrzeuge (2.500–4.000 kg) kostet incl. Nebengebühren USD 600,-- Wir haben nun die Wahl, einen „Fixer“, dem sie vertraut, zu engagieren oder den ganzen Behördenkram selbst zu machen (das geht – wie wir hören- ganz gut, halt etwas mühsam). Wir entscheiden uns für den bequemeren Weg und „lassen arbeiten“ 😊, während wir im Hafengelände gemütlich bei unseren Autos im Schatten sitzen, Reiseblog und Fotos bearbeiten und die wunderbare Zeit im Iran nochmals Revue passieren lassen. Wir hätten aber auch nochmal in die Stadt fahren können.

Pünktlich um 16:00 bringt dieser „Helfer“, der sich seine Dienste mit USD 30 abgelten lässt, unsere Unterlagen (gestempeltes Carnet, Fahrzeugtickets) zu unseren Autos, die wir dann auf den Kai vor dem Schiff fahren müssen. Dann heißt es warten auf die Passkontrolle und das dauert. So gegen 19:00 ist es dann soweit und mit zahlreichen Emirates, die offenbar im Iran einkaufen waren, sowie iranischen Touristen dürfen wir nach „flughafenmäßiger Kontrolle“ in die nächste Wartehalle. Über Ersuchen hat der Passbeamte gerne den Ausreisestempel auf unserem elektronischen Visum angebracht und nicht im Pass. Wir wollen ja noch nach Israel – vielleicht erspart das manche Fragen.

Gegen 21:30 dürfen wir dann endlich an Bord des etwas heruntergekommenen Kahns. Obwohl uns im Ticketbüro versichert wurde, wir dürften natürlich in unseren Fahrzeugen schlafen, hat der Kapitän des Schiffes dies schroff abgelehnt. Er lässt uns (unnötigerweise) rückwärts auf das halb leere Schiff fahren und es wird akribisch darauf geachtet, dass ja niemand im Fahrzeug bleibt. „Only in passenger area“!

Das Schiff ist einfach aber ganz ok. Nach dem (im Preis inkludierten) Abendessen – natürlich Hühnerkebab mit Reis - können wir uns auf den teils leeren Sitzreihen hinlegen. Wir haben Decken und Pölster mitgebracht – so geht die Nacht ganz gut vorüber. Frühstück nach Sonnenaufgang auf Deck weckt die Lebensgeister und wir sind gespannt auf die Einreiseprozedur in Dubai. Montag ist Nationalfeiertag und manche befürchten, vor lauter Feierlichkeiten können sie auch heute (Sonntag) nichts mehr arbeiten

 

Ankunft im Hafen von Sharjah

Um 10:30 laufen wir im Hafen von Sharjah ein, gegen 11:00 sind wir von Bord. Mit allen anderen Passagieren werden wir zur Polizeistation dirigiert um auf die Passkontrolle zu warten. Die Pässe der Ausländer werden eingesammelt und zu einem eigenen Schalter gebracht. Nach einiger Zeit kommt einer der Beamten heraus und fragt uns „Which country?“ Offensichtlich kennt er Österreich nicht, und erst nachdem wir ihm die Karte von Europa skizzieren, kann er uns geografisch einordnen. Er lacht und sagt, dass er noch nie einen österreichischen Pass gesehen habe. Ohne weitere Kontrolle bekommen wir alle (ein Radler aus der Schweiz, ein Tscheche, eine Familie im Womo aus Deutschland und wir) den Visumstempel. Erst auf unser Nachfragen sagt man uns, dass es für 90 Tage gültig ist.

Schließlich werden wir und die Familie aus Deutschland wieder zur Zollstelle bei der Hafenanlagestelle zurückgeschickt. Dort beginnt die Zollprozedur. Der freundliche Herr erklärt uns allerdings, dass wir heute nicht mehr abgefertigt werden, weil alle schon am Feiern sind. Aber wir könnten ja fragen, denn sonst müssen wir 4 Tage im Hafen bleiben. Also zurück zur Zollabfertigung bei der Haupteinfahrt. Es braucht viel Überredungskunst um die Beamten dazu zu bringen doch ihren Vorgesetzen anzurufen und zu fragen, ob wir nicht doch noch abgefertigt werden können. Wir warten direkt vor der Polizeistation, dort fallen wir so richtig auf und nach einer Stunde weiß jeder, dass wir unbedingt noch heute hinauswollen. Wir können es kaum glauben, aber nach ca. 1,5 Stunden hält ein Auto und ein Angestellter, den man offensichtlich von zu Hause hereinbeordert hat, begleitet uns durch die Zollprozedur. Es heißt immer wieder zahlen, unterschreiben, Formulare ausfüllen, und nach ca. 3 Stunden scheint fast alles erledigt. Es fehlen nur noch Stempel und Unterschrift im Carnet – die bekommen wir erst in 3 Tagen. Aber wir können raus und sollen am Mittwoch wiederkommen. Unser „Zollbegleiter“ ermöglicht es uns noch, im Duty Free Shop einzukaufen (man sagte uns vorher, dass nur Hafenangestellte oder die Mannschaft eines Schiffes berechtigt wären) und müde, doch zufrieden fahren wir noch ca. 35km nach Dubai an den Kite Surf Beach.

Am 4.12., also 3 Tage später, lassen wir schließlich das Carnet abstempeln. Das dauert zwar wieder 2 Stunden, aber damit ist alles erledigt.

 

Zur INFO:

Kosten:

         Fähre: (Iran)

Personenticket je IRR 5,200.000 pP(~ € 41.-) x2

Fahrzeug (2.500-4.000kg) USD 610 (incl. Irgendwelcher Gebühren) ~ € 550,-)

Fixer USD 30,- (~ € 27.-)

Summe für unser Auto + 2 Personen: ~ € 659,-

         Einreise Emirates:

 Marine Services delivery order charge AED 510,- (~ € 125,-)

Revenue inspection charge custom departement AED 150,- (~€ 37,-)

Traffic fee ADE 430,- (~ € 105,50)

Bestätigung (für vorzeitige Ausfahrt aus Hafen ohne Carnet): AED 80,- (~ € 20,-)

Summe: € 287,-

 Summe Gesamt: € 946,-


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Kommentare: 2
  • #1

    Tom Koch (Montag, 09 Dezember 2019 09:16)

    Wiedereinmal spannend zu lesen, was es alles braucht und kostet um mit einem Schiffchen ein paar Stunden übers Meer zu fahren und in einem andern Land anzukommen. Zumindest hoffe ich, dass ihr für alles offizielle Quittungen erhalten habt. Korrekt ist es ja wohl, nur einfach kompliziert und aufwendig.

    Gute Reise weiterhin!

    Tom

  • #2

    Michael (Montag, 09 Dezember 2019 10:52)

    Bü Bü Bü Bürokratie, die Bürokratie ist überall ;-)