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[22] Kunst – Kamele – push gas


Sonntag, 8.12.2019 –Donnerstag, 19.12.2019 - 1.059  km

GESAMT:  129 Tage –  14.658 km

 

Leichter Regen – ja das gibt es auch hier – und der Hunger auf Kunst lassen uns weiterfahren. Sehr zum Leidwesen von Achmad, einem Palästinenser, der hier schon seit Kindheitstage wohnt und Overlander ins Herz geschlossen hat. Er versorgt uns vor unserer Weiterfahrt noch mit einem „Genuine Palestinian Breakfast“, das er extra aus seinem Heimatemirat Sharjha für uns geholt hat. Immer wieder erleben wir solch unglaubliche Freundlichkeiten von den Menschen, die hier schon lange leben, sich aber nicht „citizens“ nennen dürfen. Sie erzählen uns Geschichten von der Suche nach einem besseren Leben und dem Versuch, die eigene kulturelle Identität in diesem Land, das sie nie zu Bürgern machen wird, zu bewahren. Das macht uns sehr nachdenklich.

 

Wir möchten nach Abu Dhabi, um den Louvre zu besuchen - also auf ins nächste Emirat. Das Gebäude von Architekt Jean Nouvel liegt prominent auf der Insel Saadiyat. Von außen wirkt die Kuppel (Waagner-Biro, Österreich) wie eine durchbrochene Schale, Innen erscheint sie fast wie ein Sternenhimmel, der die Kunstwerke schützt. Wasserbecken und weiße Kuben schaffen eine harmonische Atmosphäre, in der man sich gerne länger aufhält. Die Ausstellung selbst überfordert uns ein wenig – was für ein Anspruch, die Menschheitsgeschichte in 12 Räumen anhand von Kunstwerken darzustellen! Allerdings ist der „orientalische Blick“ und damit die Auswahl der Objekte auf das Thema spannend.

 

Zum „Drüberstreuen“ geben wir uns dann noch emiratische Kunst pur: die Sheik Zayid Moschee. Wie eine riesige Zuckerbäckerskulptur liegt diese größte Moschee der Emirate und drittgrößte der Welt am Rand der Stadt und bietet 40.000 Gläubigen Platz. Durch unterirdische Gänge, begleitet von allerlei Geschäften und Imbissständen, und durchgecheckt wie in einem Flughafen erreichen wir sie mit vielen anderen Touristen. Überdimensionale, mit Steinblumen geschmückte und mit goldenen Kapitelen verzierte Säulen begleiten uns zu den großen Gebetshallen. Riesige bunte Luster mit Swarovski-Steinen zieren die Innenräume. 100erte Mitarbeiter passen auf, dass man nur an den vorgesehenen Stellen Fotos macht, dass dein Kopftuch gut sitzt und geleiten dich freundlich zu den elektrischen Taxis, die dich wieder in die „Unterwelt“ zurückbringen. Wo sind wir hier? Hat das Allah – oder wer auch immer – so gewollt? Aber das sind sicher unerlaubte Fragen…

 

Und dann erhalten wir eine Lektion über das Befahren von Roundabouts. Ein emiratischer Ägypter kracht in einem Kreisverkehr mitten in unseren Dieseltank – weil er auf der „richtigen“ inneren Spur war und wir leider in der äußeren neben ihm. Bei uns ist fast nichts kaputt, aber sein Auto schaut nicht gut aus. Fast 1,5 Tage brauchen wir, um das Malheur zu klären und um zu erfahren, dass natürlich wir schuld sind. In mehrspurigen Kreisverkehren ist die äußere Spur eine reine Ausfahrtspur, aber das gilt auch für die innere. Auch wenn wir groß und präsent neben ihm waren, darf er abbiegen und dabei in unseren Cappuccino krachen. Bei Gericht könnten wir ausstreiten, ob ihn eine Teilschuld trifft – aber das möchten wir natürlich nicht. Also zahlen wir zähneknirschend seinen Schaden.

 

Auch hier bewahrheitet sich unser Motto „There is something good in everything“. Wir tun dem diensthabenden Major auf der Polizei so leid, dass er uns abends mitnimmt und wir vor seinem Haus campen können. „I’ll take good care of you and feel so sorry for this silly traffic rule in roundabouts, accidents happen all the time“ – sagt er uns zum Abschied. Außerdem kümmert sich der Vertrauensanwalt der österreichischen Botschaft, der übrigens in Wien studiert hat, aufmerksam um uns.

 

Schließlich können wir weiter, wir möchten in die Oase Liwa und in die Dünen der Rub al Khali. Beim letzten Tankstopp spricht uns Suheil, ein junger Emirati, an. Wir sollten ihm doch folgen, in Medinat Zayed gibt es ein großes Festival mit einem „Camel Beauty Contest“. Das klingt kurios, also folgen wir ihm. Wir landen im Camp des Organisators, werden dem obersten Polizeichef von Abu Dhabi vorgestellt (am Vormittag sind wir noch auf einer Polizeistation gewesen 😊) und sitzen mit allen möglichen honorigen Sheiks rund um eine noble Feuerstelle. Man erklärt uns die Etikette und stellt uns junge Emirati als Begleiter zu Seite. Wir speisen im V.I.P. Zelt Kamelfleisch, gegrillte Scampi und allerlei Köstlichkeiten und sitzen in der V.I.P.-Lounge beim Camel Beauty Contest. Dort wird uns ganz genau erklärt, worauf es bei der Schönheit der Kameldamen ankommt. Schließlich flanieren wir über die One Million Street (so hoch ist das Preisgeld), wo stolze Besitzer ihre Kamele auf und ab führen. Sie selbst sitzen in großen SUVs, während ihre „Kamelarbeiter“ mit den Tieren gehen. Endlich erfahren wir einiges über das Leben der „echten“ Emiratis. Viele der Jungen bezeichnen sich als Reisende, waren in den USA, Europa und auch Österreich. Sie sprechen meist gut Englisch, Unterhaltung, Competitions (Datteln, Kamele, sogar „sour milk“!?) spielen eine große Rolle und sind mit hohen Preisgeldern ausgeschrieben. Sie sind unglaublich stolz auf ihr Land und ihre „bedouine tradition“ – obwohl sie längst in den großen Glitzermetropolen leben. Susi und ich sind die einzigen Frauen in dieser Männerwelt – wo sind sie? Wir bekommen nur ausweichende Antworten wie Kinder, Schule, zu Hause, im anderen Zelt, sie werden schon kommen. Wir treffen sie jedenfalls nicht, außer im Souk, wo sie Kleidung, Parfüm oder Essen verkaufen. Uns beiden begegnet man jedenfalls mit ausgesuchter Höflichkeit und Respekt, alle unsere Fragen werden beantwortet und wir bekommen große Anerkennung, dass wir auch die Autos fahren.

 

Nach 2 Nächten und herrlichen Duschen zieht es uns weiter – endlich in die hohen Dünen der Rub al Khali. Auf einer bestens ausgebauten Teerstraße erreichen wir das „Offroad-Eldorado“ der Emiratis, Moreeb Hill. Inmitten der bis zu 300m hohen Dünen finden wir ein Eventgelände mit nachts beleuchteten Hängen, das uns an Nachtschifahren in den Alpen erinnert 😊. Auf einer etwas abseits gelegenen Dünen suchen wir uns einen Nachtplatz und beobachten das Treiben quasi vom Balkon aus. Alles was Räder hat und viel Power hat wird die Dünen hinauf und hinunter gejagt. Wir bewundern die Beherrschung der diversen fahrbaren Untersätze, der Lärm ist allerdings beträchtlich in dieser abgelegenen Gegend. Wirklich absurd finden wir eine „Sliding Competition“, wo Fahrzeuge mit lauten Motoren und Knallen Pirouetten drehen bis die Räder rauchen oder sogar brennen. Wir möchten uns gar nicht vorstellen, wie es hier zugeht, wenn das Festival am 25.12. so richtig losgeht.

 

Nach 2 Tagen haben wir genug gesehen. Wir fahren die bestens ausgebaute Asphaltstraße durch die Liwa – Oasen nach Osten und dann nach Norden, um wieder nach Dubai zu kommen. Wir erwarten Christian aus der Schweiz zurück, dann sind wir wieder zu viert.

 

Ab 18.12. findet außerdem hier ein Traveller Festival statt, dass einer der Kronprinzen vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat und bei Reisenden bekannt ist. Es entpuppt sich allerdings eher als eine „provinzielle“ Hobbyveranstaltung, bei der einige Videos von Leuten gezeigt werden, die zB mit dem Rad um die Welt gefahren oder mit dem Kamel den Kilimandscharo bestiegen haben. Außer jenen Fernreisenden, die wir schon an der Beach getroffen hatten, sind keine Weltreisenden hier. Begrüßt werden wir jedenfalls von einer Scheich-Kapelle mit Dudelsack (Kolonialzeit schau oba) und bewacht von der örtlichen Touristenpolizei im Le Mans-Lambourghini und den legendären „Vier im Jeep“.

 

Wir beschließen, am nächsten Tag weiter zu reisen Richtung Musandam der omanischen Enklave im Norden. Am Weg füllen wir noch unsere Flüssigkeiten in einem riesigen Wine-Shop (Allah schau oba !) auf.

 

 

An alle "Mitreisenden":

 

Frohe Weihnachten

und einen guten Rutsch!

 

Auf ein Wiedersehen im Neuen Jahr

 



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Kommentare: 2
  • #1

    Maria & Wolfgang (Freitag, 20 Dezember 2019 07:03)

    Hallo ihr lieben 3 und bald wieder 4 !
    Eure Berichte und Bilder entführen uns wiedereinmal sehr eindrucksvoll in eine andere Welt, der Kontrast könnte wohl nicht ärger sein. Einsame Wüste kontra Glitzerwelt!
    Habt ein besinnliches und stimmungsvolles Weihnachtsfest, bestimmt seid ihr an einem besonderen Ort. Den Frieden muss man im Herzen tragen, dann ist wirklich Weihnachten, wo auch immer auf dieser Welt!
    Lasst es Euch gut gehen und rutscht gut ins Neue Jahr. Es soll Euch weiterhin mit Gesundheit, Glück und einer Portion Abenteuerlust begleiten, wir sind dabei ;-)
    Alles Liebe aus dem ungewöhnlich frühlingshaft milden Salzburger Land
    Maria & Wolfgang & Flora

  • #2

    Johann & Maria (Montag, 23 Dezember 2019 13:52)

    Grüß Euch Ihr Lieben 4!

    Vom ganzen Herzen danken wir Euch für Eure spannenden bebilderten Reiseberichte!
    Lasst Euch für die "Postalischen Weihnachtsgrüße" umarmen!
    Genießt Eure Reise, lasst es Euch gut gehen und nehmt Euch stehts die Zeit um die wunderbaren Eindrücke in Euch zu lassen um der Abenteuerlust genug Feuer zu geben ;-)

    Wir wünschen Euch zusammen ein besinnliches Weihnachtsfest und rutscht gut und mit bester Gesundheit ins neue Jahr!
    Mit lieben Grüßen Johann & Maria