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Unser persönliches Resümee von 20 Tagen in den Arabischen Emiraten


Es fällt schwer das in Worte zu fassen, was wir hier in den Emirates wahrnehmen.

Natürlich gibt es da einmal die unglaubliche Glitzerwelt von Dubai und Abu Dhabi, (die Städte, in denen wir uns länger aufhielten) mit faszinierenden Wolkenkratzern, mehrspurigen Autobahnen mit Auf- und Abfahrten die als Hochschaubahnen durchgehen würden, mit blitzsauberen Stränden und Shopping Malls. Wir fuhren lange an Schönheitskliniken, Zahnambulatorien, Beauty Saloons und Fitnessclubs vorbei. Wohnhäuser sind wie Paläste herausgeputzt und vor und in den Garagen stehen große, saubere Autos, die teuersten (Motor)Räder und andere Gefährte. Die Villen liegen in riesigen Gartenanlagen mit tollen Blumenarrangements. In den Außenbezirken finden sich jede Menge Reihenhäuser und auch weniger attraktive Wohngebiete mit kleineren Geschäften, am Rande zur Wüste das, was wir als "shanty towns" bezeichnen würden. Alles ist sehr reguliert, es ist kaum die Hektik einer Großstadt zu spüren.

Unser Ausflug in die Dünen der Rub al Khali hat uns zwar sehr beeindruckt -liegen sie doch in der größten Sandwüste der Welt- doch auch dort geht es vor allem um "fun" und Erdöl.

Und wo sind die Menschen? In Downtown und zwischen den Wolkenkratzern herrscht fast gespenstische Leere - vom Autoverkehr einmal abgesehen. Wahrscheinlich sind alle in ihren klimatisierten Büros. In den Geschäften, Werkstätten und Gärten, an Kassen und auf Baustellen treffen wir Palästinenser, Asiaten, Marokkaner, Libanesen, Pakistani, Bangla Deshi, Inder, Philippinen, Syrer, die fleißigst arbeiten. Immer fragen sie uns, wo wir her sind, und erzählen sofort von ihrem Land und ihre persönliche Geschichte. Europäer treffen wir eher auf Freizeitgeländen, sie sind meist im Auftrag einer Firma hier und für eine bestimmte Zeit tätig.  "Echten" Emirati sind wir nur auf dem Kamelfestival und im Offroad Eldorado in der Oase Liwa begegnet. Hier wurden wir äußerst gastfreundlich eingeladen, junge Emirati wurden "abgestellt" uns zu begleiten und unsere Fragen zu beantworten. Das machten sie professionell und wir erfuhren einiges über ihre Welt.

Ab und zu hatten wir allerdings den Eindruck, dass unsere Art zu Reisen und die Welt zu sehen ganz weit außerhalb ihrer Vorstellungskraft liegt. Selbst zu fahren, das Auto gegebenenfalls eigenhändig zu reparieren oder aus dem Sand zu ziehen, selbst zu kochen und zu waschen - dass das zum Alltag gehört, das konnten wir nur schwer wirklich vermitteln. Hier ruft man jemanden an, der die manuelle Arbeit macht und schaut bestenfalls aus dem klimatisierten Auto zu, bis alles wieder gut ist.

 

Und wo sind die Frauen? In dieser reinen Männerwelt wurden Susi und ich ganz selbstverständlich ernst genommen und umsorgt, saßen im Männerzelt beim Dinner und am Feuer, mussten uns keiner Kleiderordnung unterwerfen und wurden zum Abschied von Männern herzlich umarmt. Nie haben wir auch nur eine ihrer Ehefrauen oder Töchter getroffen, sie waren auch in ihren Erzählungen nicht präsent - wirklich schade.

Immer wieder fragten wir uns, was diese Trennung der Welten mit den Menschen macht und ob sie auch weiterhin aufrecht erhalten bleiben kann. Reicht es, die Traditionen, Rituale und Etiketten an die Jugend weiterzugeben - trotz der allgegenwärtigen Bilder aus den beliebten social media?

"We try to connect our cultural heritage with the future" - das sagte zu uns der oberste Organisator des Kamelfestivals. Ein hoher Anspruch - möge er gelingen.


unsere Route in den V.A.E.: (Teil 1)


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