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[25] Auf ins Paradies: Wadis – Wüste - Meer


Mittwoch, 1.1.2020 –Dienstag, 14.01.2020 -   1.670 km

GESAMT:  155 Tage – 17.373 km

 

Wir bleiben noch ein wenig in der sogenannten „Capital Area“, die Seeb, Qurum, Mutrah und Muscat umfasst. Hier leben der größte Teil der omanischen Bevölkerung und wir haben den Eindruck, dass jeder „Stadtteil“ eine eigene Funktion hat. In Seeb, zum Beispiel, ist neben Wohnviertel und Einkaufszentren auch der internationale Flughafen, wo wir bei einem überaus freundlichen Beamten unsere Visa auf 2 Monate unkompliziert verlängern. Business, Geschäfte, Botschaften, große Villen und einen viel frequentierten, gepflegten Strand, das entdecken wir in Qurum. In Mutrah schlendern wir über den Hafenbereich, den Fischmarkt und durch den alten Soukh. Hier treffen wir auf ungewöhnlich viele Touristen, es liegen nämlich 2 große Kreuzfahrtschiffe vor Anker. An die historischen Beziehungen nach Persien und Indien erinnern an der Corniche die alten Handelshäuser mit ihren hölzernen Balkonen. Und schließlich Muscat selbst, wo in der malerischen Bucht alle Gebäude um den großen Sultanspalast arrangiert sind, bewacht von eindrucksvollen Forts und das einen fast klinisch sauberen und gepflegten Eindruck macht.

 

Immer wieder sagen wir uns vor, dass es bis in die 70er Jahre im ganzen Oman nur 2 asphaltierte Straßen, 1 Krankenhaus mit 23 Betten und neben den Koranschulen 3 staatliche Schulen für Buben gab. Heute fährt man über 4 bis 6 spurige Schnellstraßen durchs Land und quert unzählige Kreisverkehre. Es wurde und wird heftig gebaut, alle Siedlungen sind an das Stromnetz angeschlossen und die Wasserversorgung ist staatlich garantiert. Das Gesundheitssystem ist kostenlos und für jeden zugänglich, medizinische Zentren sind über das ganze Land verteilt. Bildung hat einen besonders hohen Stellenwert, nicht nur Schulen und Universitäten findet man im ganzen Land, auch die Erwachsenenbildung wird besonders ernst genommen. Was für eine Leistung in nur knapp 50 Jahren!

 

Auf unserem Weg nach Süden entscheiden wir uns für eine Kombination aus Meer und Hinterland. Immer wieder finden wir Buchten und Strände zum Schwimmen im Meer. Fischer versorgen uns mit frischem Thunfisch. Wenn uns die großen, fröhlichen Gruppen omanischer Familien am Wochenende zu viel werden, ziehen wir uns ins Gebirge zurück. So mancher Wadi verbirgt wunderbar erfrischende Süßwasserpools, die nicht so überlaufen sind. Besonders beeindruckt sind wir von den Gebirgsüberquerungen. Hier liegen geologische und tektonische Schätze an der Oberfläche, wie magmatische Gesteinsschichten, Erdmantelgesteine, Kalkgebirge voller Fossilien, Marmor, Sandsteine und viele mehr. Staunend durchfahren wir an nur einem Tag auf manchmal roter, manchmal gelber Piste, Gebirge aus schwarzem, weißen, gelben und dann wieder grünlichen Gesteinen, die abenteuerlich aufgefaltet und verbogen wurden. Was für eine Freude für jeden geologisch – geografisch Interessierten!

Je weiter wir nach Süden kommen, um so ursprünglicher wird das Land. Neben den modernen Motorbooten schaukeln auch Dhows in Häfen. Die Häuser sind nicht mehr ganz so mondän, manchen Fassaden sieht man die Beanspruchung durch die raue Meeresluft sehr an. Die „Food Stuff“ Geschäfte sind klein und nicht mehr so gut sortiert, wie in der Capital Area. Auf der Suche nach genießbarem Brot verwirren wir so machen pakistanischen oder indischen Bäcker, die nur Toastbrot oder „Arabian Bread“ (ein Art Fladenbrot) im Angebot haben. Die Menschen sind unglaublich freundlich, winken aus den Autos, lachen und fragen uns wie wir hierhergekommen sind.

Das Nature Reserve Ras al-Jinz, das den Strand umfasst, wo Meeresschildkröten ihre Eier ablegen, lassen wir aus. Einerseits ist die Hauptsaison der Eiablage in den Sommermonaten, andererseits schrecken uns die Touristenbusse ab. Wir tingeln einfach die Küste entlang nach Süden, genießen die ursprünglichen Fischerdörfer, Dhows schaukeln in den Häfen, Möwen kreischen. Schließlich werden wir in einer Lagunenlandschaft südlich von Hiji mit einer Szenerie wie in der Karibik überrascht: Landeinwärts stehen 100te Flamingos im flachen Wasser, grüne Polster bedecken die erhöhten Bereiche. Sanfte Dünen trennen diese vom fast weißen Sandstrand und grün-blauen Meer. Einfach herrlich! Eine weitere fast unwirkliche Landschaft finden wir in den „Sugar Dunes“ bei Al-Khaluf. Die fast rein weißen Dünen reichen bis zum Sandstrand. Schildkröten sehen wir leider nur tot am Strand angeschwemmt, Fischerleinen werden ihnen immer wieder zum Verhängnis.

Duqm ist eine staubige und eher gesichtslose Stadt in einer trostlosen Ebene. Hier entsteht ein neues Industriezentrum mit großem Hafen und internationalem Flughafen – und dementsprechend wird die Landschaft umgestaltet und bearbeitet. In Al Madrakah, einem Fischdorf südlich von Duqm, finden wir zwischen schwarzen Vulkanfelsen und gelbem Sandstrand einen dramatischen Standplatz. Wie von einem Felsenbalkon aus schauen wir bei aufziehendem Unwetter den wild schaukelnden Dhows zu. Leider kann man die schönste Bucht nicht mehr betreten. Hier entsteht – wie uns ein junger Baumeister erzählt – ein Feriendomizil für den 1. Cousin des Sultans.

 

Nur einen Tag später erfahren wir, dass der überaus beliebte Sultan einem Krebsleiden erlegen ist und sein Cousin als Nachfolger angelobt wurde. Für 3 Tage wird Staatstrauer ausgerufen. Das Land erscheint wie erstarrt und still - es ist als ob der Alltag angehalten würde.

 

In Ash Shuwaymiyah biegen wir in die Piste in das gleichnamige Wadi ein und sind ganz begeistert von der Szenerie. Das anfangs breite Wadi verengt sich zunehmend, steile helle Kalk- und Sandsteinfelsen begrenzen das grüne Flusstal. Über die Seitenwände fließt immer wieder Wasser, Palmen wachsen bis hoch unter die Überhänge, an denen sich Gebilde wie Stalagtiten entwickeln. Nach dem Meerwasser genießen wir die kleinen Süßwasserpools sehr.

Die Küstenstraße von Ash Shuwaymiyah bis Sadah ist einfach wunderschön. Nach einemlangen Sandstrand windet sie sich zuerst über und durch die Berge, wo sich eindrucksvolle Blicke in verschiedene Wadis eröffnen. „Im Oman bauen wir keine Brücken oder Tunnels, wir graben die Berge weg“ sagte uns ein Omani – und genau so schaut es aus.

Wieder an der Küste schmiegt sie sich landeinwärts an die steilen Abhänge aus buntem Gestein und bietet meeerwärts unzählige kleine Buchten mit Felsenumrahmung. Nur langsam kommen wir weiter, weil wir immer wieder zum Schnorcheln anhalten. Die Unterwasserwelt ist eindrucksvoll bunt, einmal schwimmen wir kurze Zeit mir 2 großen Rochen. Martin hat Jagdglück und wir genießen entweder selbst erlegtem Fisch oder wir werden großzügig von den Fischern beschenkt. Immer wieder werden wir freundlichst gefragt, ob wir was brauchen und man versichert uns, dass wir als Gäste im Land sehr willkommen sind. Das fühlt sich wirklich gut an.


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Kommentare: 3
  • #1

    Michael (Dienstag, 14 Januar 2020 18:32)

    Fein, dass es euch gut geht! Weiter so :-)

  • #2

    eva (Mittwoch, 15 Januar 2020 18:34)

    unglaublich diesse bilder!

  • #3

    KerScho (Donnerstag, 16 Januar 2020 13:20)

    Hallo ihr zwei,
    Super schöne Fotos und ein klasse Bericht. Sagt, wie ist das Wetter, Temperaturen an der Luft und im Wasser? Weiterhin viel Spaß und eine tolle Zeit im Oman.

    Herzliche Grüße
    KerScho