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[26] Arabia Felix und auf ins „Empty Quarter“


Mittwoch, 15.1.2020 – Sonntag, 26.1.2020 – 1.259 km

GESAMT: 167 Tage – 18.632 km

 

Weihrauch – Luban, wie er hier heißt – bedeutete seit Jahrhunderten unglaublichen Reichtum für die südlichste Provinz Dhofar. Daher war es seit jeher besonders wichtig, die Häfen zu kontrollieren, über die der rege Handel mit Indien, aber auch Ägypten, Syrien, Nordafrika und nach Europa lief. Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus wurde vom Volk der Hadrami an der Lagune Khor Rori eine große Festungsanlage mit Weihrauchhafen angelegt: Samharam, heute UNESCO Weltkultkurerbe. Blickt man von den Ruinen Richtung Meer, so ist die Entscheidung für den Ort wirklich verständlich. Von Felsen umrahmt liegt ein heute versandetes natürliches Hafenbecken, das gut vom Land aus kontrolliert werden konnte. Nur wenige Kilometer weiter befindet die Ausgrabungsstätte Al Baleed, der älteste Teil von Salalah. Neuere Funde lassen vermuten, dass sich auch hier bereits im 4. Jahrhundert vor Christus eine erste Siedlung mit Hafen befand. Das neue Museum dokumentiert eindrucksvoll die Geschichte und Geografie der Region. Mirbat, die östlichste Hafenstadt, wurde zusätzlich durch Pferdehandel reich und erlangte Anfang der 70er Jahre traurige Bedeutung im Dhofar-Krieg. Heute ist vom vergangenen Glanz nur mehr wenig zu sehen. Indische und pakistanische Läden dominieren den neuen Stadtbereich, die alten Handelshäuser am Hafen verfallen zusehends.

Das moderne Salalah präsentiert sich als sehr grüne und relaxte Stadt. In den letzten 50 Jahren wurden bereite Straßen, moderne Einkaufszentren, gepflegte Häuser in schönen Gartenanlagen und ein festungsähnlicher riesiger Sultanspalast gebaut. Im Weihrauchsouk wird die orientalische Atmosphäre noch ein wenig spürbar. Allerdings sind es auch hier die Inder und Pakistani, die die Geschäfte abwickeln. Entlang der Corniche liegen große Obst- und Palmengärten. Der vorgelagerte Standstrand wird besonders an den Wochenenden zum Flanieren, für einen Autocorso und zum Picknicken genutzt. Hier stehen noch viele ehemalige große Handelshäuser mit aufwändig geschnitzten Holztüren und Balkonen, die leider dem Verfall preisgegeben sind. Für uns und andere Weltreisende bilden sie einen guten Windschutz gegen die heftige Brise. Wir müssen lediglich aufpassen, dass uns die Kokosnüsse nicht auf den Kopf oder das Autodach fallen. In der neu angelegten „Industrial Area“, fest in indischer Hand, wechselt Martin in einer Werkstatt Öle und Filter, damit Cappuccino weiterhin so rund läuft 😊.

Im Westen von Salalah liegt der große neue Hafen. Da der Jemen immer noch von schrecklichen Kriegshandlungen blockiert ist, ist dieser Hafen der wichtigste Umschlagplatz für Waren dorthin. Dementsprechend sind auch die Sicherheitsmaßnahmen. Wir sehen Kriegsschiffe am Horizont und die Militärpräsenz nimmt merkbar zu.

Wir machen noch einen kurzen Abstecher weiter nach Westen Richtung jemenitische Grenze. Entlang einer wahrhaft spektakulären Steilküste finden wir wieder kleine malerische Felsbuchten, die über Serpentinen und steile Auf- und Abfahrten erreichbar sind. Am Al Fizaya Beach suchen wir uns die schönste Bucht aus und bleiben ein paar Tage in fröhlicher Runde mit ein paar Overlandern und machen Urlaub. Am Ufer schauen uns Kamele neugierig zu, Delphine springen, Vogelschwärme folgen den kleinen Fischerbooten, hinter uns ragt eine glatte Felswand senkrecht in den Himmel. Martin und Christian, der mit seiner Partnerin Elke im LKW unterwegs ist, fangen jeden Tag Fische oder Langusten - genug für die 10-köpfige Runde. Was für ein Leben und ein würdiger Abschied vom Meer, ehe wir ins „Empty Quarter“, die Rub al-Khali, wagen.

Mittlerweile haben Susi und Christian Audax wieder flottbekommen und wir können ins „leere Viertel“ aufbrechen, das uns von Anfang Respekt abverlangt. Schon an unserem ersten Übernachtungsplatz im Wadi Aydam schaufeln wir fast eine Stunde, weil sich Cappuccino und Audax im puderweichen Sand festgefahren haben. Also Luft raus aus den Reifen und „push gas“ wo nötig. Über die abgelegene Oase Al-Hasham rumpeln wir auf einer sehr holprigen Schotterpiste nach Norden mit Ziel Lake Burkana. Wir wollen schon fast aufgeben, weil wir Angst haben, dass unsere Autos auf dieser Wellblechpiste auseinanderfallen, als wir eine Naturpiste entdecken. Sie führt durch breite Waditäler, flankiert von ca. 200m hohen, rötlichen Dünen und über kleinere Dünenfelder. So haben wir uns das vorgestellt. Die letzten Kilometer sind wieder schreckliches Wellblech. Der „See“ stellt sich als eine kleine Lacke heraus mit schwefeligem Grundwasser; bei mehr Feuchtigkeit bedeckte er sichtlich eine große Fläche des Wadibodens. Hohes Schilfgras wächst am Ufer und wir sehen viele Spuren von Kamelen, die hier eine Tränke vorfinden. Wir stellen uns in eine erhöhte Dünenmulde mit gutem Ausblick und genießen diese „balcony view“ beim Abendessen. Ein unglaublicher Sternenhimmel und absolute Stille machen die Szenerie perfekt.

Mitten in den Dünen wird gerade ein Touristencamp aufgebaut. Ein ägyptischer Investor möchte Gäste aus Salalah hierherbringen. Die Attraktion ist ein kleiner Swimmingpool gespeist durch warmes Wasser aus einem artesischen Brunnen. Stolz zeigt man uns die Anlage. Nach einigen Kilometer Piste sehen wir aus der Ferne „richtige“ Bäume. Auch hier wird artesisches Wasser in einem Becken gefasst. Einige omanische Tourguides genießen den Schatten und bereiten gerade ihr Essen vor. Streifen aus Kamelfleisch sind zum Trockenen aufgehängt, ein großer Topf steht am Feuer, die Shisha ist hergerichtet – sieht gemütlich aus.

Insgesamt verbringen wir 4 Nächte in der Rub al-Khali. Wir folgen Pisten, Tracks oder nur kaum sichtbaren Fahrspuren. Wir surfen über kleinere Dünenkämme, umfahren tiefe Mulden oder steile Abhänge und schaufeln uns natürlich auch immer wieder frei. Mehrmals enden wir in Sandmulden umgeben von hohen Dünen und müssen umkehren, um eine andere Durchfahrt zu suchen. Wir und unsere Autos sind sicher um einige Kilogramm Sand schwerer, aber daran haben wir uns schon langsam gewöhnt - wir sind ja in der größten Sandwüste der Welt, da darf es schon „sandeln“ 😊. In the middle of nowhere treffen wir einen jungen Mann aus Bangla Desh, der Bienenstöcke betreut. Er schenkt uns etwas von seinem „desert honey“, eine wahre Rarität. Etwas sentimental erreichen wir Shisr, jenen Ort, an dem angeblich das „Atlantis der Wüste – Ubar“ gelegen sein soll. Der heftige Sandwind und das trübe Wetter erleichtern unseren Abschied aus der Wüste ein wenig – tragen wir doch wieder wunderbare Bilder und Erinnerungen in uns.



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Kommentare: 2
  • #1

    Maria & Wolfgang (Montag, 27 Januar 2020 05:50)

    "Petri Heil!" lieber Martin, Du hat ja wirklich Anglerglück!
    Bei Euren tollen Bildern wird es uns ganz warm ums Herz - und das ist bei diesen Jänner Temperaturen gut so.
    Weiterhin gute Fahrt und liebe Grüße aus Hallein, m&w&f

    PS: Mein Polarsteps sagt: Noch 78 x schlafen bis zur nächsten Reise....phuu...ganz schön lange!

  • #2

    Carlo (Dienstag, 28 Januar 2020 08:04)

    Hallo ihr beiden,

    wieder einmal mehr habt ihr mit Bildern und Berichten das Reisefieber geweckt! Ich bin schon auf eure Tour durch Saudi Arabien gespannt!
    Weiterhin eine glückliche Reise ...

    Ciao, Carlo