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Montevideo und Buenos Aires – hier spielt das Leben!


Donnerstag, 8.9.2022 – Dienstag, 13.9.2022

 

Montevideo entpuppt sich als lebendige, freundliche Stadt. In der Altstadt wandeln wir auf historischen Spuren, bummeln durch die Gassen. Hinter manch heruntergekommener Fassade verstecken sich prächtige Innenräume, immer wieder laden grüne Plätze zum Verweilen ein. Der berühmte Mercado de Puerto ist eigentlich ein einziges, riesiges Restaurant. Freundlich erklärt man uns, was hier alles auf den Grill kommt. Auch im Mercado de la Abundancia reiht sich eine Essensbude an das nächste. Schließlich fahren wir mit dem Lift in „unserem“ Palast, dem Palacio Salvo, in den 23. Stock und genießen von dort den Rundblick. Im kleinen Tango Museum im Palacio wird dem Nationaltanz gehuldigt.

Auf unserem Bummel zur Rambla, der Uferpromenade entlang der Stadt, gelangen wir in die ärmeren Stadtviertel. Obdachlosen schlafen in Hauseingängen, Müll, verbarrikadierte Geschäfte – auch das ist Montevideo. Abends werden wir noch Zeugen einer Demo. Mit Trommeln und Fahnen zieht eine kleine Gruppe über die Plaza Independencia bis zum Gebäude des Präsidenten. Es wird gesungen, getanzt, auf einem Wagen werden laute Reden gehalten. Ein paar Polizisten passen auf. Nach 2 Stunden ist alles vorbei. Leider haben wir nicht erfahren, wofür oder wogegen demonstriert wurde.

Da Cappuccino immer noch im Container auf dem Weg hierher ist, beschließen wir einen Abstecher nach Buenos Aires zu machen.

Colonia Ferries bringt uns in einem Bus nach Colonia del Sacramento, wo die Schnellfähre bereits wartet. In etwas mehr als einer Stunde überquert sie den Rio de la Plata, der im Abendlicht silbrig glitzert. Die Einreise nach Argentinien ist unkompliziert und schnell. Wir nehmen ein Taxi zu unserem Quartier im Zentrum. Schon die Fahrt entlang des Hafens und durch die einzelnen Stadtviertel beeindruckt uns.

Zuerst aber möchten wir unsere Vouchers bei Western Union einlösen – und das entpuppt sich als längeres Unterfangen.

Nur eine kurze Erklärung: der argentinische Pesos befindet sich im freien Fall – bis zu 100% Inflation wird vorausgesagt, unvorstellbar! Neben dem offiziellen Wechselkurs gibt es für ausländisches Geld einen günstigeren („blue dollar“), der mehr als doppelt so hoch ist. Und das geht nur über Western Union.

Geduldig stellen wir uns in die lange Schlange vor der Filiale. Nach fast einer Stunde stehen wir endlich vor einem Schalter und können unsere Vouchers zur Verrechnung vorlegen. Aber es gibt ein Problem: unsere Namen im System von Western Union enthalten unsere Titel nicht, die sind aber im Pass. Also darf man uns das Geld nicht auszahlen. Eine lange Diskussion folgt. Schließlich ruft der junge Chef der Filiale selbst die Servicenummer in Europa an und nach einigem Hin und Her können unsere Namen im System korrigiert werden. Sichtlich erleichtert zahlt uns der Chef persönlich das Geld aus. So kann man einen Vormittag auch verbringen😅.

Entspannung finden wir in einem der unzähligen hübschen Cafés und in einer der schönsten Buchhandlungen, in der wir je waren - untergebracht in einem herrlichen alten Theater. Gemütlich wandern wir zum berühmten Friedhof Cementerio de la Recoleta, wo sich unter vielen imposanten Grabmälern wichtiger Männer und Frauen auch die letzte Ruhestätte von Evita Peron befindet. Hier wird Reichtum und die oft militärische Bedeutung bis in den Tod eindrucksvoll demonstriert. Rund um den Friedhof vibriert das Leben: Gaststätten, Musik, ein bunter Markt und viele fröhliche Menschen. Das Centro Cultural Recoleta ist voller, hauptsächlich junger Leute. Auf verschiedenen Plätzen und Bühnen wird gesungen, getanzt und Breakdance dargeboten - eine wunderbar entspannte Atmosphäre!

Am nächsten Tag beschließen wir einen Hop on- Hop off Bus zu nehmen. Es ist etwas kühl am offenen Deck, aber die Sonne lacht und wir werden zu allen Sehenswürdigkeiten gebracht. Die Parkanlagen und Plätze sind voller Menschen, die joggen, radeln, Yoga machen oder Ball spielen. Wir haben den Eindruck, dass die Einwohner ihre Stadt und den beginnenden Frühling so richtig genießen. Die riesige Metallblume „ Floris Generica“ neben der juristischen Fakultät öffnet und schließt sich mit dem Sonnenlicht. Im Malba (Museo de Arte Latinoamerica) eröffnet gerade eine Ausstellung in der Künstler in einen Dialog mit Frieda Kahlo treten. In Palermo bewundern wir einige der Murales. Schließlich kutschiert uns der Bus über die Plaza de Mayo nach San Telmo zur Plaza Dorrego. Der riesige Kunstmarkt ist gut besucht, hier sind sicher noch viele Raritäten zu entdecken. Von der Terrasse eines Restaurants können wir Tango Tänzern zuschauen.

Was für eine eindrucksvolle, abwechslungsreiche Stadt! Wie die Menschen mit der hohen Inflation und der Wirtschaftskrise zurecht kommen – das können wir uns einfach nicht vorstellen. Der Taxifahrer, der uns nach 3 Tagen wieder zu Colonia Ferries bringt, meint: „Todos son corruptos, todos los dias hay una manifesta, pero vivimos“. Sehr beeindruckt kehren wir nach Montevideo zurück.

Cappuccino ist mittlerweile im Hafen, aber immer noch „eingesperrt“ im Container. Sobald unsere Containerpartner Holger und Sylvia da sind, holen wir unsere Autos raus!

 

 



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Kommentare: 3
  • #1

    Peter Schirato (Mittwoch, 14 September 2022 07:43)

    Danke für den eindrucksvollen lebendigen Bericht und die Fotos. Spannend und lustvoll. Herzliche Grüße PaPe

  • #2

    Elisabeth G (Mittwoch, 14 September 2022 10:02)

    Danke für euren lebendigen Reisebericht und die beeindruckenden Fotos. Ihr hat bereits in der ersten Woche sehr viel erlebt und gesehen. Weiterhin eine gute Reise und baldiges Zusammensein mit eurem Cappuccino.
    Alles Liebe
    Elisabeth und Charly

  • #3

    Stephanie & Rasselbande (Mittwoch, 14 September 2022 23:12)

    Ach wie schön, dass es euch so gut gefällt - drüben überm großen Teich!
    Die Fotos sprechen für sich und ihr taucht schön langsam in diese Welten dort ein....

    Hoffentlich dürft ihr Cappucino bald rausholen, wir halten selbstverständlich fest alle Bayer-Daumen, das sollte fast reichen!
    Und dann auf zur Entdeckungsreise....