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die legendäre Carretera Austral


Mittwoch, 19.10.2022 - Sonntag, 23.10.2022

 

Tanken, Lebensmittel einkaufen, Geld holen – dann steuern wir in Puerto Natales das Office der Transbordadora Austral Broom an. Wir bekommen die Boarding Passes und die Info, dass wir für Cappuccino an Bord zahlen müssen. Theoretisch sollte um 18:00 das Laden der Fähre beginnen, aber bis 20:00 werden kleine und große Pakete, Lebensmittel, Fässer, allerlei Materialien gebracht. Dann sind auch wir an der Reihe. Sehr freundlich weist man uns einen guten Platz zu. Wir bekommen Strom und es wird darauf geachtet, dass wir unsere Treppe einhängen können. Sehr fein! An Bord gibt es Liegesitze mit Decken, aber wir sind wirklich froh, dass wir im Cappuccino schlafen können. Das Schiff ist mit 5 Autos, einem Boot und ca. 50 Passagieren nur zu 1/3 belegt, wir sind die einzigen ausländischen Touristen. Um 4:00 morgens rumpelt es und wir laufen aus. Das nehmen wir im Halbschlaf wahr.

 

Die nächsten 2 Tage und Nächte verbringen wir abwechselnd auf unseren Sitzen und im Cappuccino. Da es immer wieder regnet, schneit, graupelt und windet ist unsere Zeit an Deck sehr begrenzt. Nur in den wenigen Sonnenfenstern können wir die archaische Fjordlandschaft erleben. Dicht bewaldete Granithügel, vereinzelt Wasserfälle, schneebedeckte Kuppen, steile Felsen ziehen nebelverhangen langsam an uns vorbei. Einmal entdeckt Martin einen Seehund, der neugierig den Kopf aus dem Wasser hält, sonst begleiten uns nur Möwen. Wir werden mit Essen (3 Mahlzeiten) „grundversorgt“, die Leckerbissen genießen wir im Auto.

Kurz vor Puerto Edén, einem kleinen Nest, ohne Straßen und das nur vom Wasser aus erreicht werden kann, kommen wir ins Gespräch mit einem Engländer, der hier lebt und Forschungen zu Walen, Paläontologie und Gletschern begleitet. Er erzählt uns, dass hier einmal 200 Menschen vom Fischen, Sammeln von Muscheln und der Ernte von Algen gelebt haben. Heute sind es nur mehr knapp 60, da der Schellfisch nicht mehr da ist. Manche versuchen im Tourismus Fuss zu fassen, aber das ist mühsam. Die 120 Passagiere von einem Kreuzschiff der Hurtigroute, die hier auf ihrem Weg in die Antarktis Halt machen und mit Dingies und Begleiter/innen an Land gebracht werden, sind jedenfalls sicher keine ausreichende Geldquelle. Es ist ein fast gespenstisches Bild, als sie in ihren rot-gelben Jacken im Gänsemarsch über die Stege durchs Dorf marschieren, ganz nahe an den kleinen, bunten Häusern vorbei. Offenbar haben die ein special permit, uns lässt man jedoch nicht ins Dorf, angeblich wegen Corona.

 

Um 1:00 legt das Schiff im Hafen von Tortel an, wo nur Fußgänger aussteigen dürfen. Um 4:00 (2 Stunden später als im Fahrplan angegeben) sind wir dann endlich in Puerto Yungay. Wir fahren rasch von Bord, stellen uns auf den kleinen Parkplatz im Hafen und schlafen ruhig weiter.

 

Am nächsten Morgen stehen wir schon wieder auf einer Fähre. Dieses Mal nur für 45 Minuten über den Rio Bravo. Wir möchten doch unsere Fahrt auf der Carretera Austral am offiziellen Start/Ende beginnen und das ist in Villa O’Higgins, fast 100km weiter, knapp vor der argentinischen Grenze entfernt, eingebettet in eindrucksvolle Umgebung mit schneebedeckten Bergen, Seen, Flüssen und urigen Wäldern. Hier lernen wir Richard und Paula kennen. Die Beiden nehmen uns mit zu ihrem Herzensprojekt: sie möchten ein kleines Restaurant in Villa O’Higgins wiedereröffnen, das bis vor der Pandemie von Franzosen geführt wurde. Im Sommer ist dieser kleine Ort ein beliebtes Ziel von Mountainbikern und Wanderern, auf sie möchten sie als potentielle Gäste zählen. Sie erzählen uns spannende Geschichten über den Ort, ihr Projekt, Santiago und Chile selbst. Eine wunderbare Begegnung, über die wir sehr dankbar sind. Wir wünschen ihnen von Herzen alles Gute – möge das Restaurant ein beliebter Treffpunkt für abenteuerlustige Menschen werden! Gemeinsam stehen wir in der Abendsonne am Lago O’Higgins, wo man mit einem Boot nahe an die Gletscher des patagonischen Eisschildes fahren kann, und nehmen diese gewaltige Landschaft intensiv auf.

 

Nieselregen vom Feinsten und Nebel lassen uns die Idee, doch bis zur Grenze auf den Paso Rio Mayer hinauf zu fahren, verwerfen. Also nehmen wir die Fähre über den Rio Bravo wieder zurück um weiter auf der Carretera Austral nach Norden zu tingeln.

 

Organisatorische Infos zu den Fähren nach den Fotos


Für die Vollbildanzeige die Fotos anklicken und dann rechts oben auf das Viereck.

Mit Pfeil rechts vom Bild weiterblättern. Viel Vergnügen !

 


Organisatorische Infos zu den Fähren:

 

1) Puerto Natales - Puerto Yungay:  Transbordadora Austral Broom

einfache Fährverbindung der chilenischen Regierung vorwiegend für Einheimische, Platz für 120 Personen und 24 Fahrzeuge. Keine Kabinen, nur Liegesessel ! Übernachtung im Camper möglich -  mit Stromanschluss.

Vollpension inclusive.

Tickets für Personen online buchbar, Fahrzeug kann reserviert und an Bord bezahlt werden (nach Länge).

Preise für Nicht-Chilenen verständlicherweise höher, aber ok.

2022: CHP 133.870,- pP; Fahrzeug CHP 26.770,- pro Laufmeter

Büro in Puerto Natales: Ave Pedro Montt beim Anleger

Fahrplan:

 

2) Fähre Puerto Yungay -Rio Bravo

kostenlos; first come first serve; Fahrzeit ca 40min

Fahrplan:

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Heinz (Mittwoch, 23 November 2022 10:44)


    Vielen Dank für das virtuelle Mitreisen lassen!

    Vielleicht wäre dieses kleine Offroadabenteuer etwas für euch, falls ihr noch in der Region seid:

    Das ist der südlichste Grenzübergang zwischen Argentinien und Chile:
    https://vanlife.4x4tripping.com/2021/03/paso-mayer-from-ohiggins-to-argentina.html

    Dieser sollte für euer Fahrzeug machbar sein!?

    Grüsse, Heinz