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"Hart erkämpfte" Kilometer in unglaublicher Landschaften


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Montag, 28.11.2022 – Dienstag, 5.12.2022 - km 836

GESAMT: 92 Tage - km 10.909

 

Wieder einmal müssen wir an eine Aussage von Derrick, den wir seinerzeit in Kapstadt kennen gelernt haben, denken: "Never underestimate us!" Das trifft für den Grenzübertritt von Argentinien nach Bolivien zu. Professionellst und sehr freundlich werden wir von einer Station zur nächsten geleitet, alles ist digitalisiert. Während wir warten beobachten wir interessiert den „kleinen Grenzverkehr“: In zwei gegenläufigen Schlangen laufen Menschen mit Schubkarren zwischen den Grenzstationen hin und her, einmal ist die Karre voll, dann wieder leer – ein unaufhörlicher Menschenstrom.

Nach dem Check unserer Impfnachweise und einer „Desinfektionsbehandlung“ der Autos stehen wir nach nicht einmal 1,5 Stunden in Villazón, der Grenzstadt in Bolivien. Ein fröhlich hupenden LKW-Corso empfängt uns. „Sindicato“ (Gewerkschaft) sagt uns eine freundliche Frau und lächelt. Bienvenido a Bolivia!

 

Wir machen uns auf den Weg nach Norden, durch Dörfer und tolle Canyons nach Tupiza. In der Kleinstadt herrscht reges Treiben. Hier bekommen wir Diesel und alles, was wir für die nächsten Tage auf der Lagunen Route brauchen. Diese führt über mehr als 500 km ganz nahe an die Grenze zu Chile und wieder nach Norden, nach Uyuni. Sie verläuft fast immer zwischen 4100m und 4800m, der höchste Pass liegt sogar auf über 4900m. 5 Tage sind wir unterwegs, auf fahrerisch nicht sehr schwieriger Piste, aber fast immer auf ganz schrecklichem Ripio. Das dauernde Rütteln, die steilen Anstiege und Abfahrten, die vielen ausgefahrenen Kurven beanspruchen unsere Autos sehr und verlangen höchste Konzentration beim Fahren. Bis auf die letzten beiden Tage begegnen wir niemanden. Wir sind heilfroh, zu zweit unterwegs zu sein – das gibt Sicherheit. Auch klimatisch sind wir gefordert. Untertags genießen wir so um die 20°, aber sobald die Sonne untergegangen ist, sinken die Temperaturen rapide auf weit unter Null. Dazu kommt heftiger Wind. An ein Essen im Abendlicht draußen ist nicht zu denken, Cappuccino ist unsere gemeinsame Herberge.

 

Landschaftlich erleben wir allerdings eine der ungewöhnlichsten und spannendsten Gegenden. Wir schlüpfen durch enge Canyons, queren auf Höhenrücken in die nächste Senke, wo Lagunen im Sonnenlicht glitzern. Die Ränder sind meist weiß vom Salz und je nach den gelösten Mineralien schimmern sie rot, grün, gelb oder braun. Unzählige Flamingos stolzieren in Ufernähe, immer mit ihren Schnäbeln im Wasser. Kommt man ihnen zu nahe, bilden sie eine Linie und fliegen majestätisch davon, um kurz später wieder zu landen. Aufmerksame Vikunjas grasen friedlich an den Lagunenrändern. Sie finden offensichtlich auch in dieser Höhe ausreichend Nahrung. 9 verschiedene Lagunen erleben wir, alle unterschiedlich, alle einzigartig.

Die hochgelegenen, feuchten Wiesen sind voll mit Lamaherden, die uns aufmerksam nachschauen. Die Szenerie wird überragt von mächtigen Vulkanen, fast alle über 6000m. Sie wachen stoisch, manche Krater leuchten in der Abendsonne rot und schwarz. Die Dörfer an der Strecke sind klein, sehr bescheiden, die Menschen eher scheu. In einem Dorf gelingt es uns in Kontakt zu kommen. Die Kinder verstecken sich hinter dem Vater. Alle haben eine verrotzte Nase, rote Wangen und einen vorsichtig-neugierigen Blick. Leben auf 4500m ist einfach eine Herausforderung. „Muy frio!!“ (sehr kalt) – das hören wir immer wieder.

Ein ganz besonderes Highlight ist die Wüste „Salvador Dali“. Wir haben das Gefühl, durch ein Gemälde von Dali zu fahren, denn Farben und Formen sind einfach genau so wie in seinen Bildern.

Laut unserem Buch durchqueren wir diverse Nationalparks. Allerdings sind alle Posten unbesetzt. Wir haben den Eindruck, dass die Pandemie die touristische Erschließung radikal gebremst hat. Miradors sind geschlossen, Gebäude unfertig, die wenigen Hostels verwaist. Uns macht das nichts aus, denn wir finden jeden Abend wunderbare Übernachtungsplätze.

 

Je näher wir der Zivilisation kommen, umso reger wird der Verkehr. Zuerst begegnen uns die Autos der Tourguides, die in rasantem Tempo Touristen zu den Lagunen bringen. Auf der Verbindungsstraße zwischen Chile und Uyuni stauben uns unzählige schwer beladene LKWs ein. So können wir das „Valle de las rocas“, eine Hochebene mit verwitterten Reste von Granitblöcken, gar nicht genießen.

 

Schließlich erreichen wir Uyuni. Wir sind unglaublich froh, gut angekommen zu sein. Unsere Fahrer und Autos haben perfekt funktioniert – trotz großer Kälte und Höhe. Nur ein Mal musste Martin ein kleines Feuer unter dem Dieselfilter machen und die Dieselpumpe mit einer Kerze zum Leben erwecken, weil bei minus 12° der Diesel flockte. Wir hatten den Zusatz zu spät in den Tank gegeben. Aber Martin weiß sich immer zu helfen!

 

Fortsetzung Bericht nach den Bildern


In Uyuni können wir beim Hotel „El Nido del Flamenco“ im Innenhof stehen und die Infrastruktur des Hauses nutzen. Ana, die Besitzerin, begrüßt uns sehr freundlich. Sie ist sogar unser Shuttle ins Zentrum zur Wäscherei, in ein Lokal und zu einer Agentur. Wir möchten auf den Salat Uyuni, den größten Salzsee der Welt. Allerdings wollen wir das unseren Autos – nach all der Rüttelei der letzten Tage – nicht zumuten. Also buchen wir eine „Classic Tour“ zum Salar bei „World White Travel“.

 

Oscar ist unser Guide und Chauffeur. Er spricht ausgezeichnet Englisch und setzt alles daran, die Tour für uns zu einem einzigartigen Erlebnis zu machen. Und das gelingt ihm hervorragend. Mehr als 10 000km² ist diese Salzlagune groß. Nur ein Bruchteil der Salze wird abgebaut und zu Speisesalz verarbeitet oder in der Industrie verwendet. Der wahre Schatz liegt unter der bis zu 100m dicken Salzdecke: eines der größten Silizium Vorkommen der Welt. Oscar war eher zurückhaltend auf unsere Frage, ob dies bereits ausgebeutet wird. Bei dem Silizium-Hunger der Welt können wir uns allerdings nicht vorstellen, dass es hier nicht schon Abbau gibt. Uyuni lebt praktisch von Touristen wie wir – alle wollen zum Salar. Nach einem Besuch des Eisenbahn-Friedhofs in Uyuni  gelingt es Oscar, uns an Plätze zu bringen, wo wir wirklich ganz alleine die weiße, grelle Fläche erleben können. In „the middle of nowhere“ bereitet er uns ein Lunch mit Tischdecke, Fleisch, Gemüse, Salat, Obst und Getränken. Es ist schon ein ganz eigenes Gefühl auf einer weißen Salzfläche zu sitzen und zu tafeln. Nur bei der größten Insel im Salar, der Isla Incahuasi, treffen wir wieder andere Touristengruppen – und das gleich in großer Zahl. Mindestens 50 Autos und 2 Busse parken beim Eingang. Natürlich klettern auch wir auf die Felsen, die mit Kakteen dicht bewachsen sind. Der Blick über die weiße Ebene ist gewaltig. Inkas nutzten diese Insel als Stützpunkt für den Salztransport. Lamas dienten als Lasttiere. Zum Sun-Downer lenkt Oscar das Auto zu einer Stelle, wo die Oberfläche mit Wasser bedeckt ist. Die Spiegelungen von Menschen, Autos, untergehender Sonne, Wolken, etc. sind fast außerirdisch. Was für ein Tag!

 

Es ist höchste Zeit für ein paar Rasttage. Die Autos werden gecheckt, geputzt, Wäsche gewaschen und die Eindrücke verarbeitet. Hier in Uyuni verabschieden wir uns von Stephan und Maria, die Teile von Bolivien bereits kennen und nach La Paz möchten. Wir werden uns noch etwas im Süden aufhalten und erst etwas später Richtung Titicaca See aufbrechen. Danke für das gute Team und die angenehme gemeinsame Zeit – so lassen sich auch herausfordernde Strecken gut meistern. Wir werden uns hier in Südamerika sicher noch einmal begegnen und dann können wir die nächste Herausforderung angehen.


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Kommentare: 5
  • #1

    Adriana Kren (Mittwoch, 07 Dezember 2022 07:51)

    Muchas vivencias, muchas regiones.
    Muy interesante leerlos.
    Abrazos.
    Adriana

  • #2

    Elisabeth Gansinger (Mittwoch, 07 Dezember 2022 16:09)

    Liebe Lisi, lieber Martin,
    wir haben den Eindruck, ihr steigert eure und Cappuccinos Ausdauer von Bericht zu Bericht. Können wir davon ausgehen, dass ihr nun die größten Herausforderungen gemeistert habt? Ihr macht das perfekt (!!!) und eure Schilderungen und die Fotos sind unbeschreiblich imposant.
    Herzlichen Dank, dass wir „mitreisen“ dürfen und alles Liebe �.
    Weiterhin gute Reise �.
    Liebe Grüße aus Urfahr
    Elisabeth und Charly

  • #3

    Eva (Donnerstag, 08 Dezember 2022 21:47)

    Phantastisch!!!

  • #4

    Peter und Patricia Schirato (Samstag, 10 Dezember 2022 17:32)

    Endlich haben wir wieder einmal Internet und verschönern uns den Abend mit eurem spannenden Bericht. Ihr erlebt grandioses und wir staunen über eure und Cappuccinos Leistungen. Es ist immer wieder ein absolutes Eintauchen in eure Welt, Lisi du schreibst tolle Berichte. Weiterhin eine sichere und tolle Reise. Liebe Grüße PaPe

  • #5

    Stephanie & Raswelbande (Mittwoch, 14 Dezember 2022 20:34)

    Während bei uns der erste Eisregen des Jahres niedergeht, genießen wir euren Reisebericht & die wirklich imposanten Fotos!
    Jedes für sich ein kleines Highlight -ehrlich
    Wir freuen uns weiter mit euch mit, dass euch auch Südamerika beeindruckt und so viele Abenteuer für euch bereit hält
    Aber wir vermissen euch trotzdem…
    Alles Liebe vom Froschberg