26.6.2026 – 2.7.2026
Durch eine von Granitkugeln übersäte Landschaft und über offene Flächen mit gelben Gras erreichen wir das Schwemmland des Curoca. Hier liegen kleine Siedlungen, es kann etwas Ackerbau betrieben werden. In den mächtigen Lehm- und Sandsteinablagerungen liegt der eindrucksvolle Colinas Canyon. Rote und gelbe Sandsteingebilde umrahmen schmale, tief eingeschnittene Täler. Ein toller Platz zum Verweilen.
Der Chef des Dorfes am Lago Arco begleitet uns persönlich auf dem Rundgang zum See und zeigt uns Salzablagerungen, kleine Muscheln und Sandsteinbögen. Von November bis März überschwemmt hier der Curoca das Tal, im Anschluss kann Ackerbau betrieben werden. Mais, Tomaten, Gurken, Petersilie werden angebaut, ein paar Ziegen finden Nahrung und Flamingos suchen den See nach Krabben ab.
Tombua ist die nächstgelegene Stadt, hier können wir tanken und Wasser bunkern. Irgendwie ist die lokale Finanzpolizei nervös und will unser TIP (temporary import paper) sehen. Etwas harsch werden wir dazu aufgefordert, schließlich entschuldigt sich einer der Polizisten für das unhöfliche Vorgehen der Kollegen.
Traveller aus Südafrika haben uns von der Flamingo Lodge am Atlantik vorgeschwärmt. Also rumpeln wir etliche Kilometer hinaus an den Strand. Der ist unglaublich verdreckt, am Campground der Lodge hat eine größere Gruppe Offroader aus Südafrika ihre Zelte aufgeschlagen. Erinnerungen an laute Parties von Südafrikanern werden wach, also bleiben wir nicht, sondern hoppeln wieder zurück. Wir lassen uns in Namibe am städtischen Campground nieder. Der junge Campingwart freut sich, dass wir da sind, er will sein Englisch trainieren. Bei einem Espresso erzählt er von seinen Zukunftsplänen – er möchte auch einmal die Welt sehen.
Bevor wir weiterfahren, hole ich noch etwas Geld bei einem ATM. Geduld ist gefragt, denn vor jedem ATM bilden sich lange Schlangen. Man sagt uns, dass die Einheimischen immer nur ganz kleine Beträge abheben, damit sie nicht zu viel ausgeben. Auch wir bekommen nur Geld im Gegenwert von ca. 60,00€. Macht nichts, wir brauchen nicht viel hier.
Am Weg zum Paso do Leba möchten wir Felsgravuren besichtigen, die wir bei den Reisevorbereitungen in unsere Karte eingetragen haben. Wir fragen bei der Polizei, bei Locals und schließlich bei einer Kamelfarm. Alle sind sehr bemüht, aber niemand kennt die Gravuren. Dafür haben die Kinder und Jugendlichen, die wir vor der Kamelfarm treffen, viel Spaß mit einem Fußball von uns.
Die Zufahrt zum Paso do Leba gleicht einem wilden Tanz um grauenhafte Potholes. Mit Granitblöcken schwer beladene LKWs und etliche Kleinwagen fahren mit uns Slalom um die Löcher. Am Straßenrand wird Holzkohle verkauft, ab und zu sehen wir die Spuren von schweren Unfällen. Langsam schrauben wir uns hinauf auf das eindrucksvolle Escarpment mit ca. 1800m und finden einen spektakulären Nachtplatz mit weitem Blick übers Land.
Im regen Morgenverkehr – Fußgänger, unzählige Mopeds, Autos und Sammeltaxis – bewegen wir uns von dort langsam Richtung Lubango. Unglaublich was hier in der Früh schon los ist. Menschen eilen mit Harken zum Feld, Jugendliche in weißen Mänteln zu den Schulen, Mopeds transportieren alles (Fensterrahmen, Kohlesäcke, …), Frauen tragen sicher große vollgestopfte Schüsseln am Kopf – wir sind beeindruckt. In Humpata, kurz vor Lubango, können wir endlich beim Team von Stefan van Dyk die Kfz-Versicherung bezahlen, die er für uns besorgt hat. Sie helfen uns auch die Aufhängung des Reserverads zu fixieren – auf den vielen schlechten Pisten ist der Dämpfungsgummi abgerissen. Paulo, Stefans Mechaniker, weiß wo wir so einen Gummi bekommen und hilft höchst professionell bei der Reparatur. Wir sind unglaublich froh. In Lubango füllen wir unsere Lebensmittelvorräte und bekommen endlich eine SIM Karte.
Ein kurzer Abstecher führt uns zum Tundvala Viewpoint auf 2.240m. Ehrfürchtig blicken wir vom Steilabfall hinunter in die Tiefe. Der Ort ist uns etwas unheimlich, denn hier sollen früher Verurteilte hinuntergestoßen worden sein. Wir bleiben nicht – zumal in iOverlander von Raubüberfällen auf Overlander berichtet wird - finden dann aber in Lubango einen guten Platz in einem privaten Garten. Die Eigentümer lassen hier immer wieder Overlander gegen geringe Gebühr stehen.
Wir haben genug vom Inland, wir möchten an den Atlantik. Wegen umfangreichen Bauarbeiten an der Ausfahrtstraße Richtung Benguela finden wir fast nicht mehr aus der Stadt. Wir kurven durch Slums, rumpeln um Kanalöffnungen ohne Deckel und erleben die Armut hier hautnah. Die Gegensätze zwischen arm und reich sind einfach enorm.
Endlich sind wir Richtung Cacula und Benguela unterwegs. Auch hier vollführen wir gewagte Manöver um Schlaglöcher und Querrillen, allerdings gibt es auch neu asphaltierte Abschnitte, die uns rasch weiterkommen lassen. Zwischen den Granitblöcken des Hochlands wachsen dichte Bäumen, Baobabs und viele Sträucher, ab und zu queren Ziegen die Straße. Wir sehen immer wieder kleine versteckte Dörfer. Auch hier wird Holzkohle am Straßenrand angeboten. Kinder sammeln die leeren Plastikflaschen der LKW Fahrer und halten kleine Säckchen mit Knoblauch oder Zwiebeln zum Verkauf in die Höhe. Was für ein anderes Leben!
Abends erreichen wir den Atlantik bei Benguela. Nach einer Nacht am Strand von Benguela, lassen wir uns 40 km weiter in Lobito bei der Alfa Beach Bar am Strand nieder. Man kann hier übernachten, das WC und die Duschen benutzen, wenn man auch einmal ins Restaurant geht. Das machen wir gerne, hier möchten wir ein wenig bleiben.
Die Region zwischen Benguela und Lobito gehört zu den wirtschaftlich aufstrebenden Gebieten in Angola. Die im Bürgerkrieg schwer beschädigte Benguela Railway, die zu den Kupferminen im Kongo führte, ist mit chinesischem Geld wieder in Stand gesetzt. In den ehemaligen Sumpflandschaften des mächtigen Cavaco Rivers wird Gemüse & Obst angebaut. In Lobito, auf der Restinga, werden alte Kolonialbauten wieder hergerichtet oder neu gebaut. Expats, vor allem aus Portugal, haben hier ihre Ferienhäuser oder Wohnsitze. Wir genießen die entspannte Stimmung sehr.



























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Birgit (Donnerstag, 02 Juli 2026 23:16)
Danke für die tollen Berichte und die fantastischen Fotos - weiterhin gute Reise! Take care!