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Was für ein abwechslungsreiches Land!

3.7.2026 – 11.7.2026

Weiter geht es durch das dichte Morgengewusel von Lobito Richtung Sumbe. Dichter Busch, kleine Siedlungen und viel LKW Verkehr begleiten uns. An der Cubal River Gorge wird Wäsche gewaschen, im Schwemmland intensiv Landwirtschaft betrieben. Unser Ziel ist der Binga Wasserfall bei Câchoeira. Tosend stürzt der Cuva über die Felsen, die feine Gischt spüren wir bis zu unserem Standplatz direkt unterhalb. Auch hier wird der Wasserreichtum für intensiven Anbau genutzt: Mais, Bananen, Tomaten, Petersilie, Palmen säumen das Ufer und viele fleißige Menschen bewirtschaften hier die Felder.

Leider sind die Straßen voller Potholes und so tanzen wir um die Löcher herum bis zum Cabo Ledo am Atlantik. Am Surferstrand, der bekannt ist für seine lange gleichlaufende Wellen, schauen wir den Surfern zu. So manch ein Könner ist dabei.

Da unsere weitere Route am Rand des Kissama Nationalparks entlang führt, beschließen wir den Park zu besuchen. Er sei der einzige professionell gemanagte Park in Angola, sagt unser Reiseführer – also los, vielleicht sehen wir ja Tiere. Unsere Hoffnung erfüllt sich nicht. Der Staat ist gerade dabei das Management neu zu organisieren, entschuldigt sich der Guard am Eingang. Und genau so sieht es aus: völlig desolate Pisten, das einzige Camp hoch über dem Cuanza gleicht eher einer Müllhalde, die Gebäude großteils kaputt. Wir sehen keine Tiere, nur ab und zu Elefanten Dung. Sehr schade!

Einige Kilometer nach der Toll–Bridge über den mächtigen Kuanza liegt eine „Mondlandschaft“, die uns sehr an den Bryce Canyon erinnert - Mirador Lua. Die roten Erdsäulen der Erosionslandschaft können vom Mirador aus bewundert werden. Dort wird gerade intensiv an einem Visitor Center mit Parkplätzen gebaut, man hat anscheinend viel vor.

Lange vor Luanda City beginnt geschäftiges Treiben. Viele kleine Blechhütten, dazwischen große Industrieanlagen (China ist hier sehr präsent), Frauen und Kinder die Früchte verkaufen, viele Mopeds. Wir stoppen beim Sklavenmuseum. Das renovierte Haus des ehemaligen Sklavenhändlers thront prominent über dem Atlantik. In 3 Zimmern werden Informationen und einzelne Gegenstände über den lukrativen Sklavenhandel ausgestellt. Vom 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert lief dieses entsetzliche Geschäft ausgezeichnet. Es ist vor allem der Ort selbst, der uns sehr traurig macht.

Im Jacht Hafen auf der Ilha von Luanda sind Overlander willkommen. Hier erleben wir das andere, reiche Angola. Wir campen­ neben blitz-blanken SUVs, deren Besitzer/innen die Sportanlagen nutzen, und blicken auf teure Jachten und Segelboote. Abends glitzert gegenüber die hell erleuchtete Skyline mit den riesigen Bürotürmen.

Lunada ist berühmt-berüchtigt für sein Verkehrschaos. Das „genießen“ wir intensiv auf unserer Weiterfahrt aus der Stadt hinaus. Jedes Verkehrsmittel fährt irgendwie und irgendwo, SUVs scheinen immer Vorfahrt zu haben, dazwischen zwängen sich die Mopeds von alles Seiten und viele Fußgänger versuchen immer und überall zu queren. Wir brauchen starke Nerven!

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Auf der Ausfahrtsstraße wieder viel LKW Verkehr und abenteuerliche „desvios“ von Baustellen. Wir möchten nach Massangano, einem geschichtsträchtiger Ort. 1582 gegründet, vor allem um den Sklavenhandel aus dem Landesinneren zu organisieren. Während der holländischen Okkupation Mitte des 17. Jahrhunderts war Massangano sogar kurzzeitig Hauptstadt von portugiesisch Angola. Reste eines alten Forts erinnern an die Zeit. Hier wurden die Sklaven noch schnell getauft, ehe man sie auf dem Cuanza Fluss Richtung Meer weiter transportierte. In der alten Kirche singen einige Frauen, die später zum Erinnerungskreuz pilgern. Dort legen sie Fotos und Briefe nieder, offenbar Erinnerungsstücke an Sklaven, vielleicht aus ihren Familien. Sie beten und singen laut und intensiv. Sehr berührt beobachte ich die Szene von etwas Abseits.

Der örtliche Polizist begleitet uns höchstpersönlich zum Ufer des Cuanza. Stolz steigt er mit uns die Treppe hinunter (sogar mit LED Beleuchtung am Geländer), die erst im Mai 2026 eröffnet wurde. Er erlaubt uns bei der Kirche zu campen. Sofort sind wir von Dutzenden Kindern umringt, die neugierig jede unserer Bewegungen beobachten und untereinander kommentieren. Wir haben viel Spaß mit ihnen, auch wenn sie ab liebsten ins Auto krabbeln würden.

Voll Interesse haben wir gelesen, dass Angola ein wichtiges Kaffee – Export – Land war und dass es seit 2020 wieder Bemühungen gibt, dieses Business zu beleben. Also auf zu Facenda da Cabuta, die auch ein Hotel bietet und Overlander erlaubt zu bleiben. Wir wählen eine Piste zur Brücke Filomena über den Cuanza. Alle versichern uns, auch der freundliche diensthabende Offizer an der Brücke, dass die 57km befahrbar ist. Nach ca. 1/3 der Strecke wird die Piste allerdings zum Single Trail. An Umkehren ist nicht zu denken, da alles dicht bewachsen ist und wir immer wieder sehr steile Auf- und Abfahrten meistern müssen. Um die kleinen Siedlungen – am besten gepflegt ist immer der Fußballplatz - wird die Piste meist extrem ausgewaschen und voller tiefer Rinnen. Überall werden wir fröhlich begrüßt, Kinder winken und Mopedler versichern uns, dass wir weiterfahren können. Unsere Hoffnung, dass die Verhältnisse besser werden, wenn wir näher an die Kaffeefarm kommen, erfüllt sich nicht. Völlig erschöpft und dankbar, dass Fahrer und Auto diese Tortur überstanden haben, erreichen wir die Facenda. Die große, gepflegte Anlage scheint auf den ersten Blick verwaist, aber dann finden wir im Restaurant einen Angestellten. Ja, wir können hierbleiben, WC und Dusche in einem der Zimmer benutzen. Dankbar nehmen wir an. Leider wird aus der Führung auf der Farm nichts, irgendwie ist niemand zuständig. Wir nehmen noch eine Packung des hauseigenen Espressos mit und fahren weiter.

Dieses Mal nehmen wir die „offizielle“ Zufahrt zurück. Die ist zwar eine breit geschobene Piste, aber nicht viel besser, was den Zustand betrifft. Trotzdem können wir endlich die einzigartige Landschaft genießen: dichter subtropischer Wald, hohe Baobabs, viele Felder mit Bananen, Bohnen, Mails, Manjok ziehen sich über die „rolling hills“. Am Straßenrand werden das Innere der Baobab Frucht oder Manjok getrocknet, in den Siedlungen bieten Frauen die Früchte an.

Über die „Highways“ möchten wir schnellstens – trotz vieler Potholes - zu den „Pedras Negras“ südlich von Cacuso. Rotes Abendlicht legt sich über die schwarzen Felsen als wir ankommen. Ein mystischer Anblick an diesem Ort um den sich viele alte Geschichten der Einheimischen ranken. Natürlich erklimmen wir auch eine dieser „Kugeln“ und lassen den Rundblick auf uns wirken.

God bless you!“ ruft uns der örtliche Polizist nach als wir zu den Calandula Falls aufbrechen. Sie liegen etwas weiter im Norden. Hier stürzt der Lucala über eine breite Felswand 105m in die Tiefe, es ist einer der wasserreichsten Wasserfälle im Süden Afrikas. Über eine Piste, die ihren Namen nicht verdient, rumpeln wir zum einzigen Hotel hier. Im „Garten“ dürfen Camper mit direktem Blick auf den tosenden Wasserfalls stehen, WCs, Duschen und sogar das Swimming Pool benutzen. Hier bleiben wir gerne. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stephanie & ihre Rasselbande (Samstag, 11 Juli 2026 15:58)

    Im Garten am Froschberg verfolgen wir eure tolle Reise! Mit all den Fotos zu den Texten dazu, spürt man, wie gerne ihr dort seid!